Sturmtief "Friederike"
Im Windpark in Kirtorf (Vogelsberg) warf der Sturm einen 150 Meter hohen Kran um. Bild © picture-alliance/dpa

Tief "Friederike" ist mit Orkanböen von bis zu 133 Stundenkilometer über das Land gefegt. Ein Mädchen wurde schwer verletzt. Die Bahn stellte den Fernverkehr ein. Es gab Stromausfälle. Autobahnen wurden gesperrt.

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Die ersten starken Böen des Sturmtiefs "Friederike" führten ab Donnerstagmittag in Hessen zu Schäden und Behinderungen. Am Nachmittag stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr in ganz Deutschland für den Rest des Tages ein. Züge, die noch unterwegs waren, sollten noch bis zu ihrem Ziel fahren. Tausende Fahrgäste strandeten an den Hauptbahnhöfen von Frankfurt, Kassel und Fulda.

Zur Sicherheit unserer Fahrgäste wird der Fernverkehr bundesweit für den Rest des Tages eingestellt. Weitere Infos finden Sie unter:

Bahnverkehr in Nordhessen und Flugbetrieb eingeschränkt

Die Kurhessenbahn in Nordhessen stellte am Mittag ihren Verkehr ein. Die Hessische Landesbahn stoppte den Verkehr auf einigen Linien, beispielsweise zwischen Dillenburg und Siegen. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hatte auf einigen Buslinien mit umgefallenen Bäumen und mit beschädigten Oberleitungen von Bahnen zu kämpfen.

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Am Flughafen Frankfurt lief der Betrieb normal, allerdings hatten die Sturmauswirkungen in Städten wie Köln, Bonn und Amsterdam Folgen für Frankfurt. Es gab Flugabsagen und Umleitungen. Die Annullierungen von Flügen bewege sich aber im normalen Rahmen, sagte ein Sprecher der Fraport: Bis zum frühen Abend fielen 33 von 1.300 Flügen aus.

Verletzte in Mittelhessen

In Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) wurde ein 13 Jahre altes Mädchen durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt. In Marburg traf ein Dachziegel eine 65-jährige Fußgängerin.

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In Kirtorf im Vogelsberg fiel ein 150 Meter hoher Kran um. Er beschädigte dabei ein Windrad. Der entstandene Schaden liegt nach Einschätzung der Polizei bei mehr als einer Million Euro.

In Stadt und Kreis Kassel rückte die Feuerwehr insgesamt 300-mal aus. Unter anderem stürzten in Fuldabrück 60 Bäume an einer einzigen Straße um. Die Feuerwehr im Kreis Marburg-Biedenkopf meldete 150 Einsätze. Das Polizeipräsidium Westhessen in Wiesbaden berichtete von mindestens 70 Einsätzen. Bei den Kollegen in Gießen zählte man 40 orkanbezogene Fälle.

Zum Orkan heraufgestuft

"Friederike" fegt mit Orkanböen über Hessen hinweg. Der Deutsche Wetterdienst stufte das Tief am frühen Nachmittag zum Orkan hoch. Demnach traten Böen von bis zu 133 Stundenkilometern auf. Diese höchsten Windgeschwindigkeiten wurden auf der Wasserkuppe in der Rhön und im nordhessischen Frankenberg-Geismar gemessen. Auf dem Hoherodskopf im Vogelsberg und in Fritzlar (Schwalm-Eder) wehte der Wind mit 115 Stundenkilometern. In Limburg betrug die Windgeschwindigkeit 102 Stundenkilometer.

"Der Höhepunkt des Sturms traf Deutschland gegen 16 Uhr", sagte hr-Wetterexperte Marcel Herber. Danach würden die starken Böen bis spätestens 18 Uhr abklingen. Besonders Norddeutschland ist vom Sturm betroffen, die Ausläufer reichen aber bis nach Hessen. Gegen 16 Uhr hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Orkanwarnung für Hessen auf.

Böe richtet umgeworfenen Lkw wieder auf

Auf der A45 kippte ein Lastwagen um. Dort staute sich der Verkehr zwischen Gießener Südkreuz und Gambacher Kreuz am Mittag auf mehreren Kilometern, weil der Lkw die beiden linken Fahrstreifen blockierte. In Fahrtrichtung Gießen lag auf der A45 am Gambacher Kreuz zudem ein Baum auf der Fahrbahn.

Auf der A44 im Landkreis Kassel kippte der Anhänger eines Lkw wegen einer Böe um. Nach dem Unfall wurde die Straße zwischenzeitlich voll gesperrt. Anschließend war die A44 nur einspurig befahrbar. In der Gegenrichtung drohte ein Anhänger von der Brücke zu stürzen. "Wie durch ein Wunder erfasste eine weitere Böe den Anhänger und richtete ihn wieder auf", sagte ein Polizeisprecher.

Bäume auf A7
Auf der A7 lagen am Donnerstagmittag reihenweise umgestürzte Bäume. Bild © TVnews-hessen.com

Die A7 wurde wegen der Gefahr umstürzender Bäume nördlich von Kassel in Richtung Süden gesperrt. Sie war auch in der Nacht zum Freitag noch dicht. Zwischen Hann. Münden-Hedemünden in Niedersachsen und Kassel-Nord bleibt die Autobahn voraussichtlich bis zum Mittag auf einer Länge von rund 25 Kilometern gesperrt.

Auf der A480 hatte sich ein Lastwagen am Geländer einer Talbrücke festgefahren, sagte ein Polizeisprecher. Die Autobahn wurde zwischen Reiskirchener Dreieck und Gießener Nordkreuz in beiden Richtungen gesperrt.

Auf der A4 zwischen Hönebach und Friedewald (Hersfeld-Rotenburg) gibt es bis Freitag früh eine Vollsperrung wegen umgestürzter Bäume.

Stromausfälle in Haiger, Witzenhausen und Reinhardshagen

In Ortssteilen von Haiger (Lahn-Dill) fiel gegen 14 Uhr der Strom aus. Grund dafür war laut Netzbetreiber Westnetz ein Baum, der in eine 10.000 Volt-Leitung gefallen war. Betroffen waren die Ortsteile Fellerdilln, Dillbrecht und Offdilln. Insgesamt wohnen dort rund 2.000 Menschen. Am späteren Nachmittag lief der Strom wieder.

Auch in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) fiel nach Angaben der Polizei am Donnerstagnachmittag der Strom aus. Das betraf auch umliegende Ortschaften. Reinhardshagen (Kassel) hing zwischen 13.30 und 17.30 Uhr nicht mehr am Netz.

Schulen wegen Sturm geschlossen

An zahlreichen Schulen wurde vorsorglich der Unterricht abgesagt. In Waldeck-Frankenberg, wo zehn Schulen ganz dicht machten, empfahl der Kreis als Schulträger, nach der 3. Stunde den Unterricht zu beenden. Schulausfälle gab es auch in den Kreisen Gießen, Schwalm-Eder, Lahn-Dill und Vogelsberg. Im Lahn-Dill-Kreis und im Vogelsberg fuhren keine Schulbusse.