Boildkombo, Autobahn-Sujetbild/Johannes Gregor
Johannes Gregor kam auf der A661 ein Geisterfahrer entgegen. Bild © Imago, Uwe Gerritz (readitnow.info)

Ein Falschfahrer, der einem auf der Autobahn entgegen kommt - Johannes Gregor hat diesen Albtraum gerade auf der A661 erlebt. Hier erzählt er, was ihm in dem entscheidenden Moment durch den Kopf ging.

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Collage: Ein Mensch im Schattenriss zeigt auf Bilder der Verkehrskameras

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Radiomeldung zum Geisterfahrer auf der A661

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Es ist 0.40 Uhr in der Nacht zum Donnerstag, als Johannes Gregor auf der A661 bei Frankfurt in Richtung Süden unterwegs ist. In Höhe der Ausfahrt Eckenheim nimmt er vor sich plötzlich zwei Scheinwerfer wahr.

"Ich habe gesehen: Da kommt was entgegen", berichtet der 35-Jährige. Zum betreffenden Zeitpunkt ist er etwa 140 Stundenkilometer schnell. "Man kennt das sonst nur aus dem Verkehrsfunk und denkt sich: Hoffentlich passiert mir das nie."

Gedanken schießen durch den Kopf

Doch nun ist es real. In Sekundenbruchteilen schießen Gregor Gedanken durch den Kopf: Was tue ich jetzt? Macht der das absichtlich? Zieht er gleich rüber? Gehe ich in die Eisen? Was passiert dann bei dieser Geschwindigkeit? "Ich habe mich dann entschieden, langsam abzubremsen und habe Lichthupe gegeben", sagt der hr-Mitarbeiter im Gespräch.

Der Falschfahrer fährt vorbei. Gregor versucht, das weitere Geschehen im Rückspiegel zu erkennen. "Es sah so aus, als würde er wenden." Genau erkennen kann er es nicht.

Das Ganze habe etwa 15 bis 20 Sekunden gedauert, schätzt der Journalist. Es sei ihm aber subjektiv viel länger vorgekommen. "Da passiert relativ viel relativ schnell im Kopf." Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch setzt Gregor seine Fahrt fort. Minuten später hört er die Warnmeldung im Radio.

Experte: "Das kann zum Trauma werden"

Der Frankfurter Verkehrspsychologe Peter Fiesel weiß, dass solche Erlebnisse langfristige Folgen haben können. "Das ist in jedem Fall ein Schock, wenn nicht ein Trauma", sagt der Experte. Unter Umständen könne sich jemand schwer tun, zu bestimmten Zeiten wieder eine Autobahn zu befahren.

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Verkehrspsychologe Peter Fiesel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verkehrspsychologe: "Kann schwerwiegende seelische Folgen haben"

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Autofahrer, die ein solches Erlebnis hatten und an sich eine Veränderung bemerken, sollten unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, rät der Experte. "Vorzugsweise bei einem Traumatherapeuten, das kann man ganz klar sagen."

Ursachen sind vielfältig

Die Gründe, weshalb jemand zum Falschfahrer wird, sind nach Worten Fiesels schwer zu definieren. Sehvermögen, Alter, Dunkelheit - all das könne eine Rolle spielen. "Offensichtlich findet irgendwo in der Wahrnehmung ein Fehler statt." Es könne auch sein, dass jemand geistig gerade ganz woanders ist und im Kopf Probleme löst, statt sich auf das Autofahren zu konzentrieren.

Prinzipiell könne jeder zum Falschfahrer werden, meint der Fachmann. Das Risiko steige aber, wenn die genannten Faktoren zusammenkämen. "Sie müssen natürlich auch an eine Autobahnauffahrt kommen, die das begünstigt."

Viele Falschfahrer auf der A661

Der ADAC wertet jährlich die Rundfunkwarnmeldungen zu Falschfahrern aus. So gab es 2016 hessenweit 213 Meldungen. Auffällig oft dabei war demzufolge die A661 zwischen Darmstadt und Bad Homburg, also jene Autobahn, auf der auch Johannes Gregor unterwegs war. Der ADAC führt dies auf die hohe Dichte an Anschlussstellen auf dem Abschnitt zurück: Je mehr Auffahrten, desto höher das Risiko, dass jemand falsch auffährt.

Weitere Informationen

Falschfahrer auf der Autobahn - Das rät der ADAC

Wenn Sie eine Rundfunkwarnmeldung über einen Falschfahrer hören:

  • Geschwindigkeit drosseln
  • rechts fahren
  • auf keinen Fall überholen
  • wenn möglich, den nächsten Parkplatz ansteuern, bis die Gefahr vorüber ist

Wenn Sie selbst falsch aufgefahren sind:

  • Licht und Warnblinker einschalten
  • auf den Standstreifen fahren, Gefahrenstelle absichern, aussteigen und hinter die Leitplanke begeben, Polizei rufen
  • auf keinen Fall auf der Autobahn wenden
Ende der weiteren Informationen

Außerdem häuften sich Meldungen über Falschfahrer in den Sommermonaten und an den Wochenenden, sagt ein Sprecher des ADAC Hessen. Er vermutet, dass die Verursacher in diesen Fällen häufig Partygänger seien.

Möglicherweise war dies auch in der Nacht zum Mittwoch der Fall: Ein Autofahrer verpasste auf der A5 bei Frankfurt den Abzweig zur A3. Er entschied sich, mitten auf der Autobahn zu wenden und wurde so zum Falschfahrer. Doch nicht immer gehen Falschfahrten so glimpflich aus. Auf der A7 bei Bad Hersfeld waren erst im November zwei Menschen bei einer Geisterfahrt verletzt worden. Im September starben bei Rüsselsheim drei Menschen wegen eines stark betrunkenen Geisterfahrers auf der A67.

Herzklopfen, Aufregung, Adrenalin

Einer Therapie will sich Gregor vorerst nicht unterziehen. "Herzklopfen, ja, Aufregung, Adrenalin, keine Frage." Er habe aber schon das Gefühl gehabt, noch weiterfahren zu können. Allerdings sei er zu Hause recht schnell müde geworden.

Am nächsten Tag postete er sein Erlebnis bei Facebook und erhielt prompt Anrufe besorgter Freunde. Vielleicht ist das ja auch eine Form der Verarbeitung.