Autonome randalieren während des G20-Gipfels im Hamburger Schanzenviertel.
Autonome randalieren während des G20-Gipfels im Hamburger Schanzenviertel. Bild © picture-alliance/dpa

Nach den Krawallen beim G20-Gipfel in Hamburg sind am Dienstag bundesweit Wohnungen von Verdächtigen durchsucht worden. Auch die Wohnung einer 20-Jährigen in Marburg nahm die Polizei unter die Lupe.

Fünf Monate nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg hat die Polizei zu einem Schlag gegen die linke Szene ausgeholt.

In Hessen wurde nach Angaben der Hamburger Polizei ein Objekt in Marburg unter die Lupe genommen. Dabei handelte sich demnach um den Hauptwohnsitz einer 20-jährigen Beschuldigten. Zudem rückte die Polizei auch zu ihrem Nebenwohnsitz im rheinland-pfälzischen Neuwied aus.

583 Polizisten im Einsatz

Andere der insgesamt 23 Durchsuchungen waren am Dienstag in Nordrhein-Westfalen (10), Niedersachsen (5), Baden-Württemberg (3), Hamburg (1), Berlin (1) und Sachsen-Anhalt (1). In Göttingen und Stuttgart seien Zentren der linken Szene durchsucht worden, sagte der Leiter der Soko "Schwarzer Block", Jan Hieber, in Hamburg. Im Einsatz waren insgesamt 583 Polizeibeamte.

Die Polizei stellte unter anderem 26 Laptops und Computer, 35 Handys und mehrere USB-Sticks sicher. In Baden-Württemberg entdeckten Beamte auch eine Luftdruckpistole und mehrere Messer, wie die Polizei auf einem bei einer Pressekonferenz gezeigten Foto in Hamburg dokumentierte.

Verdacht des schweren Landfriedensbruchs

Die Aktion habe dazu gedient, Hintergründe und Strukturen der Krawalle offenzulegen und an den Kern der autonomen Szene heranzukommen, sagte Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. "Jetzt geht es darum, Strukturen aufzuhellen." Die Durchsuchungen richteten sich gegen 22 Beschuldigte mutmaßlich aus dem linksextremistischen Spektrum.

Es bestehe der dringende Tatverdacht, dass sie Teil einer Gruppe von G20-Gegnern waren, aus deren Mitte heraus am 7. Juli im Hamburger Stadtteil Bahrenfeld Steine und Pyrotechnik auf Beamte geworfen wurden, sagte Meyer. Gegen sie werde wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Festnahmen habe es aber nicht gegeben, sagte Hieber.

3.000 Ermittlungsverfahren

Polizeipräsident Meyer sagte, die Soko "Schwarzer Block" führe rund 3.000 Ermittlungsverfahren. Mit einer Öffentlichkeitsfahndung in den kommenden Wochen will die Polizei weitere Täter namentlich ermitteln. Die Soko mit derzeit rund 165 Polizisten werde bis weit ins kommende Jahr hinein die Krawalle aufarbeiten, sagte Meyer.

Bisher haben die Amtsgerichte 24 mutmaßliche Gewalttäter verurteilt, davon sieben zu Haftstrafen ohne Bewährung. In den übrigen G20-Fällen wurden nach Angaben eines Gerichtssprechers Bewährungsstrafen zwischen 6 und 21 Monaten verhängt. Acht Menschen befänden sich im Zusammenhang mit den G20-Krawallen noch in Untersuchungshaft.