Wer Sex-Seiten besucht, kann schnell Opfer von Erpressern werden.
Wer Sex-Seiten besucht, kann schnell Opfer von Erpressern werden. Bild © Imago

Für alle Nutzer von Sexportalen hat die Polizei Mittelhessen ein paar wichtige Ratschläge. Einer davon: "Schalten Sie ihre Webcam ab".

Datingportale, Partnerbörsen oder Chats erfreuen sich im Internet großer Beliebtheit. Für die einen sind sie der Weg aus der Einsamkeit, andere suchen dort den unverbindlichen Sex-Kick. Für manche aber endet der Besuch auf einer solchen Seite mit einem unerfreulichen Nachspiel - sie werden erpresst. "In letzter Zeit häufen sich bei uns die Anzeigen von Menschen, die Opfer einer solchen sexuellen Erpressung geworden sind", sagte eine Sprecherin der Polizei Mittelhessen am Donnerstag readitnow.info.

Polizei rät: Nicht vor der Webcam selbst befriedigen

Wie viele Anzeigen genau vorliegen, konnte die Sprecherin nicht sagen. Aber offenbar genug, dass sich die Polizei genötigt fühlte, eine deutliche Warnung auszusprechen. Zudem geht die Polizei von einer großen Dunkelziffer aus, da sich viele Opfer schämten.

In ihrer Mitteilung rät die Behörde dringend, keine sexuellen Praktiken vor der Webcam zu vollziehen. Wortwörtlich zählt sie folgende Punkte auf:

  • sich nackt ausziehen, auch wenn es die Gegenseite vermeintlich auch tut
  • sich selbst befriedigen
  • sexuelle Praktiken mit einem Spielzeug oder gar ihrem Partner auszuüben
  • oder sich sogar Verletzungen beibringen

Denn in vielen Fällen folge auf solch ein vermeintlich intimes Abenteuer eine Erpressung, so die Polizei. Meist drohten die Erpresser damit, verfängliche Videoaufnahmen in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen oder Freunden und Familie zu schicken. Um das zu verhindern, würden Opfer "zu fast 100 Prozent" aufgefordert, Bitcoins oder einen hohen Geldbetrag ins Ausland zu überweisen.

Erpresser bauen zunächst Vertrauen auf

Dabei gingen die Kriminellen in fast allen Fällen gleich vor: Sie treten zunächst mit dem anvisierten Opfer in Kontakt, schicken (meist gefälschte) Bilder und Videos von sich um Vertrauen aufzubauen und die Gegenseite in Sicherheit zu wiegen.

Deswegen rät die Polizei: "Seien Sie misstrauisch und geben Sie nicht zu viel von sich im Internet preis." Betroffene müssten sich nicht schämen, Strafanzeige zu erstatten. "Wir sind nicht prüde, uns ist nichts Menschliches fremd", heißt es in der Mitteilung.