Entführung Schlitz Millionärssohn Wörth
Das Heim, in dem der Würth-Sohn lebte. Bild © picture-alliance/dpa

Drei Jahre nach der Entführung des Sohns des Industriellen Würth im Vogelsberg hat die Polizei den mutmaßlichen Entführer geschnappt. Ein Spezialkommando schlug in Offenbach zu.

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zum Video Mutmaßlicher Würth-Entführer gefasst

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Spezialeinheiten der Polizei haben am Mittwochmorgen in Offenbach den mutmaßlichen Entführer des Sohns des Industriellen Reinhold Würth festgenommen. Der 48 Jahre alte Mann wurde zunächst zum Verhör nach Fulda gebracht, später erließ das Amtsgericht Gießen einen Haftbefehl, wie die Staatsanwaltschaft Gießen und die Polizei Fulda in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Inzwischen befinde sich der Mann in einem hessischen Gefängnis.

Der behinderte Sohn des baden-württembergischen Schrauben-Milliardärs war vor knapp drei Jahren, am 17. Juni 2015, in Schlitz (Vogelsbergkreis) gekidnappt worden. Einen Tag später wurde das damals 50 Jahre alte Opfer in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden.

Der Entführer hatte ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert, zu einer Geldübergabe kam es aber laut Polizei nicht.

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Pressekonferenz am Donnerstag live

Das hr-fernsehen überträgt eine Pressekonferenz der Ermittler zum Entführungsfall Würth am Donnerstag um 11 Uhr live. Auf readitnow.info gibt es einen Livestream.

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"Hofgut Sassen" in Schlitz - davor Einsatzkräfte der Polizei

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Die Stimme des Würth-Erpressers (alte Version)

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Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen in Offenbach wohnenden serbisch-montenegrinischen Staatsangehörigen, wie die Ermittler mitteilten. Er war einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge im fünften Stock einer Hochhauswohnung von der Polizei überwältigt und festgenommen worden. Dazu hätten die Einsatzkräfte die Tür zur Wohnung aufgebrochen.

Verräterische Stimm-Aufzeichnung

Vor etwa einem Jahr hatte die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Täter gestartet. Die Tonbandaufzeichnung der Stimme des Entführers wurde zur Grundlage eines Täterprofils. Der nun Festgenommene entspricht diesem in vielen Punkten.

Der 40 bis 52 Jahre alte Mann, nach dem gesucht worden war, sollte laut den Ermittlern "mit hoher Wahrscheinlichkeit" aus Serbien, dem Kosovo, Montenegro oder Mazedonien stammen. Er kam demnach vermutlich bereits vor dem Jahr 2001 nach Deutschland und lebte im Großraum Frankfurt am Main.

Bei der Suche nach dem Mann setzten die Ermittler auch auf einen Bericht in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". 200 Hinweise waren daraufhin eingegangen. Außerdem wandten sich die Fahnder gezielt an Menschen, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen und im Rhein-Main-Gebiet wohnen. Sie hielten es auch für möglich, dass der Entführer in einem sozialen Beruf arbeitete. Für Hinweise war zuletzt eine Belohnung von 30.000 Euro ausgesetzt.