Domino Weltrekordversuch in Nidda
"World of Art" ist der Titel der Domino Show heute Abend im hessischen Nidda. Kunstwerke wie die Mona Lisa wurden aus Dominosteinen nachgebaut. Bild © readitnow.info

Justin Kühn ist 17 Jahre alt und verbringt die Sommerferien freiwillig in einer alten Turnhalle in der Wetterau. Mit Freunden hat er zwei Wochen lang Tag und Nacht Dominosteine aufgebaut. Heute sollen dort gleich zwei Weltrekorde fallen.

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Die grüne Domino-Pyramide war schon fast drei Meter hoch. Nur noch 400 Steine von insgesamt 8.001 haben gefehlt. Justin Kühn war fast fertig - als ein zu starker Luftzug die Pyramide zum Einstürzen brachte. In nicht einmal zwei Sekunden war stundenlange Arbeit dahin. "Da war meine Motivation weg. Da musste ich mich erstmal zwei Stunden raus setzen." Danach ging es aber weiter und inzwischen steht die Pyramide wieder.

Um sie herum hat Justin echte Tannenbäume aufgestellt, so dass die Installation wie ein kleiner Wald wirkt. Und damit will Justin heute Abend einen Weltrekord brechen. Die bisher höchste Domino-Pyramide, die im richtigen Moment zusammengefallen ist, war 125 Stockwerke hoch. Die Pyramide von Justin hat 126 Stockwerke. Außerdem wollen er und sein Team einen weiteren Rekord brechen: In der Mitte der Halle ist ein riesiger Kreis aus Dominosteinen aufgebaut. 77.777 Steine haben sie darin verbaut - auch eine noch nie dagewesene Menge.

Schon seit elf Jahren Domino-begeistert

Justin baut Dominosteine, seit er sechs Jahre alt ist. Damals hatte er im Fernsehen "Domino Day" gesehen, eine Sendung, in der riesige Figuren mit Dominosteinen zu Fall gebracht wurden. Seine Oma kaufte ihm daraufhin das erste kleine Set und der junge Hesse baute kleine Reihen im Wohnzimmer auf. In der Zeitung las er später von einem Domino-Event in der Nähe und ging zunächst als begeisterter Zuschauer hin. Über Freunde, die auch den Dominosteinen verfallen waren, konnte er schließlich auch erste, kleine Reihen bei weiteren Events aufbauen. Heute ist Justin fester Teil des Teams und nimmt eine essentielle Rolle beim Event in Nidda ein.

Justin Kühn
Der Hesse Justin Kühn hat die mehr als drei Meter hohe Domino-Pyramide aufgebaut. Sie soll heute Abend einen Weltrekord brechen. Bild © readitnow.info

Gefunden hat sich das Team über YouTube. Die 16 Teammitglieder kommen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. YouTube dient den Domino-Bauern als Plattform, um Videos ihrer Figuren und Rekordversuche hochzuladen. Irgendwann haben sie sich auch im echten Leben getroffen, angefreundet und mit der Zeit wurden sie zu einem festen Team. Justin hat den kürzesten Anreiseweg - der Hesse kommt aus Selters. Die meisten im Team sind Schüler und Studenten und haben sowieso im Moment frei, ein paar wenige haben sich extra Urlaub bei der Arbeit genommen, um dabei zu sein.

20.000 Euro in Dominosteinen

Kistenweise stehen in der alten Halle in Nidda Dominosteine herum. Egal ob weiss, pink oder schwarz-gold, das Team hat eine riesige Auswahl. Die halbe Millionen Steine, die sie verbauen, sind ungefähr 20.000 Euro wert. Zum Glück halten die Steine relativ lange und müssen nur selten ersetzt werden. Die professionellen Domino-Bauer verwenden besondere Steine, die nicht aus Plastik sondern aus Kunststoff sind: "Die sind robuster, handlicher und fallen besser", erklärt Justin. Auch die großen Gerüste, an denen riesige Scheinwerfer hängen, schleppt das Team selbst in die Halle und baut alles auf. Finanziert haben sie das über Sponsoren, deren Logos mit Dominosteinen in die Show eingebaut werden. Die größte Einnahmequelle ist aber YouTube: Mit ihren Videos erreicht das Team bis zu 30 Millionen Klicks pro Video.

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"World of Art"

In der alten Turnhalle erwarten die Besucher berühmte Kunstwerke - nachgebaut aus Dominosteinen: Eine riesige Nachbildung der Mona Lisa, "Der Verrat der Bilder" von Magritte und eine Darstellung des Erlkönigs sind Teil der Show "World of Art". Sogar ein kleines Wasserbecken gibt es, in dem die Steine umfallen sollen. Die Ideen sammelten die 16 Teammitglieder über mehrere Monate. Besprochen wurden sie in einem Facebook-Chat, dann fertigten sie Skizzen an und begannen schließlich mit dem mühsamen Aufbau. Das macht für Justin aber auch die Faszination aus: "Dass man aus so kleinen Steinen ganze Bilder und so was Großen schaffen kann, das begeistert mich."

Sogenannte "Legokämme" machen es Justin leichter, die Steine aufzubauen. Das Team baut diese Kämme selbst aus Legosteinen. Sie funktionieren wie eine Halterung, in die man die Dominosteine im gleichmäßigen Abstand einsortieren kann. Dann schiebt man sie mit dem Kamm an die richtige Position in der Figur und muss den Kamm nur noch zur Seite wegziehen. So lassen sich viele Steine auf einmal aufbauen, ohne dass man Angst haben muss, andere Steine zu berühren. Bei den Figuren, die nicht wie die Pyramide in die Höhe gebaut werden, hat das Team kleine Schranken eingebaut. Die verhindern, dass komplette Figuren zusammenfallen, wenn doch mal jemand aus Versehen einen Stein berührt. Kurz vor der Show werden alle Schranken elektrisch geöffnet.

Justins großer Auftritt

Um die Show noch spannender zu machen, gibt es sogenannte Live-Effekte: An zwei Stellen einer Figur aus bunten Reihen fehlen einige Steine. Justin muss diese 20 Steine einbauen, während die Reihe schon zu fallen beginnt. Für die beiden Lücken hat er nur 20 Sekunden Zeit. Aufgeregt ist der Teenager trotzdem nicht. Justin scheint so gar nichts aus der Ruhe zu bringen. Seit fast zwei Wochen baut er täglich mindestens zwölf Stunden Dominosteine auf - zittrige Hände bekäme er da aber nie. "Man hat dann nur einfach keinen Bock mehr".

Weitere Informationen

Domino-Rekordversuch in Hessen

Wo: Mittelstufenhalle, Nidda
Einlass: 20.30 Uhr, Beginn: 21 Uhr
Die Show ist kostenlos, es werden etwa 500 Zuschauer erwartet

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Fast zwei Wochen Arbeit - und nach sieben bis zehn Minuten ist alles wieder vorbei. So lange dauert es schätzungsweise, bis die 500.000 Steine umgefallen sind. Auf diesen Moment freut sich Justin schon und er wird ihn in vollen Zügen genießen: "Das kommt einem länger vor, wenn ich da zuschaue. Aber wenn es dann vorbei ist, finde ich das schade - man hätte es gerne länger gehört, das Steinerascheln."


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