Johanna Bohnacker
Der Angeklagte (li.) soll die damals achtjährige Johanna Bohnacker (re.) ermordert haben. Bild © picture-alliance/dpa

Wie ist die achtjährige Johanna 1999 genau ums Leben gekommen? Rechtsmediziner haben diese Frage im Mordprozess am Landgericht Gießen nicht beantworten können. Sie wissen nun aber: Im Kofferraum des Autos des Angeklagten konnte das Mädchen nicht ersticken.

Bei der Obduktion der Leiche der im Jahr 1999 ums Leben gekommenen Johanna Bohnacker haben Rechtsmediziner nicht die genaue Todesursache feststellen können. Weil letztlich nur noch Knochen gefunden worden seien, sei das nicht möglich gewesen, sagte eine Sachverständige am Mittwoch vor dem Landgericht Gießen.

Die Obduktion wurde für den derzeit laufenden Prozess im Mordfall Johanna in Auftrag gegeben. Angeklagt ist ein 42 Jahre alter Mann aus Friedrichsdorf (Hochtaunus). Er soll die damals Achtjährige in der Nähe ihres Wohnorts bei Ranstadt in der Wetterau in seinen VW-Jetta gezerrt, missbraucht und getötet haben. Johannas Leiche wurde erst Monate nach der Tat gefunden.

Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund ihrer Ermittlungsergebnisse davon aus, dass das Kind erstickte. Erst im Herbst, 18 Jahre nach dem Tod Johannas, konnte die Polizei einen Tatverdächtigen ermitteln.

"In diesem Kofferraum kann man nicht ersticken"

Der Angeklagte stellt den Tod des Mädchens als Unfall dar. Johanna sei im Kofferraum gestorben. Darin hätte das Kind aber nicht einfach so ersticken können, sagte ein zweiter Gutachter.

Er hatte einen Versuch mit einem baugleichen Auto durchgeführt, das der Angeklagte zur Tatzeit gefahren hatte. Dafür habe sich eine Polizistin für zwei Stunden in den Kofferraum gelegt, überwacht von Medizinern. Die Bilanz des Gutachters: "In diesem Kofferraum kann man nicht ersticken." Es gebe zu viele Ritzen und andere kleine Öffnungen.

Konnte ein Schlag zu Luftnot führen?

Das Gericht muss auch klären, ob vielleicht ein Schlag auf die Nase zum Erstickungstod des Kindes geführt haben könnte. Der Angeklagte hatte vor Gericht ausgesagt, dem Mädchen einen Nasenstüber gegeben zu haben. Der Mund des Mädchens war mit Klebeband umwickelt. Wäre die Nase in dieser Situation durch einen Schlag zugeschwollen, hätte auch das zu Luftnot führen können. Ganz ausschließen können das die Sachverständigen nicht.

Klar sei aber: Ein Schlag mit der flachen Hand könne nicht zu einer gravierenden Verletzung wie einen Bruch des Nasenbeins führen. Eine solche Verletzung haben die Rechtsmediziner bei der Obduktion von Johannas Leiche auch nicht festgestellt.

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