Der Marburger Waffenhändler vor Gericht
Gegen den Marburger Waffenhändler ist das Urteil gefallen. Bild © picture-alliance/dpa

Weil er dem Münchner Amokläufer die spätere Tatwaffe verkaufte, muss ein 33 Jahre alter Marburger für sieben Jahre ins Gefängnis. Die Richter verurteilten den Mann wegen fahrlässiger Tötung und sorgten damit für ein Novum.

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Am Ende folgten die Richter am Landgericht München dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Wegen fahrlässiger Tötung muss der Marburger Waffenhändler Philipp K. für sieben Jahre in Haft. Er hatte dem 18-jährigen David S. eine Pistole verkauft, mit der dieser neun Menschen tötete.

Mit ihrem Urteil vom Mittwoch sorgten die Richter für ein Novum in der deutschen Justizgeschichte: Erstmals wurde ein illegaler Waffenhändler mit dem Verkauf einer Schusswaffe für eine Tat direkt verantwortlich gemacht, bei der er nicht beteiligt war. Erst mit dem Waffen-Deal sei die Bluttat möglich gewesen, argumentierte die Anklage.

Nebenklage plädierte auf Beihilfe zum Mord

Die Verteidigung hatte zuvor dreieinhalb Jahre Haft wegen illegalen Waffenhandels gefordert. K. habe nicht absehen können, was mit der Waffe geschehen sollte, erklärten seine Anwälte. Zudem sei er geständig gewesen. Am Tag der Urteilsverkündung brach der Angeklagte sein Schweigen, das er die 21 Verhandlungstage zuvor meist durchgehalten hatte. "Es tut mir leid, ich habe das nie gewollt", sagte er in Richtung der Hinterbliebenen der Opfer.

Die Nebenkläger - rund 25 Angehörige der Opfer - und ihre Anwälte hatten für eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord plädiert. Die Familien warfen dem Waffenhändler Mitwisserschaft vor. Ihrer Ansicht nach sprachen zahlreiche Indizien dafür, dass Philipp K. wusste, was der Amokläufer mit der Pistole vorhatte. Der Angeklagte habe mit dem Täter eine rechtsradikale Gesinnung geteilt.

Waffenübergabe in Marburg

Am 22. Juli 2016 hatte David S. am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) neun Menschen erschossen und fünf weitere verletzt, ehe er sich selbst tötete. Seine Opfer waren fast durchweg junge Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Pistole, eine Glock 17, und mehrere hundert Schuss Munition hatte er über das sogenannte Darknet besorgt. Über diese Plattform haben David S. und Philipp K. zwei Treffen zur Übergabe von Waffe und Munition in Marburg vereinbart. Was sie dort besprachen, ob es um die Verwendung der Waffe ging und ob V-Leute eine Rolle in dem Fall spielten, blieb bis zum Ende offen.

Rache für jahreslanges Mobbing

Die polizeilichen Ermittler hatten stets argumentiert, David S. habe zwar eine rechte Haltung gehabt. Sein Motiv sei aber Rache für jahrelanges Mobbing gewesen. Er habe auf Jugendliche gezielt, die von Alter, Aussehen, Herkunft und Lebensstil denen ähnelten, die ihn über Jahre gedemütigt hätten: junge Menschen mit südosteuropäischen Wurzeln.

Für die Tat wählte der von Gutachtern als psychisch krank eingestufte David S. den fünften Jahrestag des Attentats des rechtsextremen norwegischen Massenmörders Anders Breivik. Er malte Hakenkreuze und grüßte mit "Heil Hitler"; Philipp K. nutzte denselben Gruß und hatte Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" auf der Festplatte.