Polizeieinsatz in Fulda
Beamte beim Polizeieinsatz am Freitag in Fulda, vom Steinewerfer beschädigter Streifenwagen. Bild © osthessen-news.de

Gegen den Polizisten, der am Freitag einen randalierenden Flüchtling in Fulda erschoss, wird ermittelt. Aus seiner Dienstwaffe waren zwölf Schüsse abgefeuert worden. Wie hr-iNFO erfuhr, war der getötete Angreifer polizeibekannt.

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Die Staatsanwaltschaft hat am Montag Details zu den tödlichen Polizeischüssen auf einen 19-jährigen randalierenden Afghanen am Freitagmorgen in Fulda veröffentlicht. Demnach wurden zwölf Schüsse aus einer Polizeiwaffe abgegeben. Wie viele davon Warnschüsse waren, sei unklar.

Vier Kugeln hätten den Asylbewerber getroffen. Zwei Schüsse davon waren laut Obduktion tödlich, sie gingen in den Bauch- und Brustbereich, wie der Fuldaer Staatsanwalt Harry Wilke am Montag sagte. Der Flüchtling verblutete, nachdem die Schüsse innere Organe verletzt hatten.

Polizist schwer am Arm verletzt, danach fielen die Schüsse

Der 19-Jährige hatte nach Polizei-Angaben am Freitag gegen 4.15 Uhr vor der Öffnung einer Backerei mit Steinwürfen gegen die Scheibe randaliert und einen Lieferfahrer mit einem Stein schwer am Kopf verletzt. Danach griff er auch alarmierte Polizisten an und verletzte einen Beamten schwer am Arm.

Der Beamte eines zweiten Streifenwagens erschoss den Randalierer. Ob es in Notwehr geschah, müssen die Ermittlungen ergeben. Die tödlichen Schüsse fielen demnach in etwa 150 Metern Entfernung zu der Bäckerei. Offenbar war der Angreifer vor den Polizisten geflohen.

Der Polizist schweige bisher zum Tathergang, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn werde ermittelt wegen eines Tötungsdelikts.

Vorwürfe gegen Betreuer im Flüchtlingsheim

Mitbewohner des Asylbewerbers, der in einer nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft lebte, beschrieben den 19-Jährigen im Gespräch mit hr-iNFO als aggressiv und psychisch krank. Seit drei Monaten sei er auffällig gewesen. Er habe einen anderen Bewohner angegriffen und unter anderem einen Wischmopp kaputt gemacht und gegen einen Handtuchspender geboxt. Er habe sich immer schnell beruhigt, wenn Mitbewohner ihn ansprachen.

Mehrfach hätten sie ihren Betreuer auf die Verfassung des jungen Mannes hingewiesen und gebeten, ihn zum Arzt zu bringen, berichteten die Heimbewohner weiter. Doch der Betreuer habe entgegnet, dies sei nicht sein Problem. Auch die Polizei, von ihnen um Hilfe gebeten, habe nichts unternommen, sagten die Flüchtlinge.

Der Polizei war der 19-Jährige bereits bekannt. Laut Staatsanwaltschaft war er wegen Drohung und Körperverletzung angeklagt. Er soll einen Mitbewohner mit der Faust geschlagen und zwei Wochen später mit einem Messer in der Hand zwei Mitbewohnern mit dem Tod gedroht haben.

Landeskriminalamt untersucht Polizeieinsatz

Der Betreuer und der Geschäftsführer des Heimbetreibers Perspektiva wollten zu dem jungen Afghanen nichts sagen und verwiesen auf den Landkreis als Aufsichtsbehörde. Dort wiederum verwies man auf die polizeilichen Ermittlungen.

Am Sonntag hatten in Fulda etwa 70 Menschen, viele von ihnen aus dem Flüchtlingsheim, gegen den Polizeieinsatz demonstriert. Redner bezeichneten diesen als unverhältnismäßig: "Ein Unschuldiger wurde getötet." Der Vorsitzende des Fuldaer Ausländerbeirats, Abdulkerim Demir, machte der Polizei schwere Vorwürfe: "Das aggressive Verhalten der Polizei war gänzlich falsch."

Der Landesausländerbeirat forderte am Montag eine lückenlose Aufklärung der tödlichen Polizeischüsse. Vor allem sei die Verhältnismäßigkeit des Schusswaffengebrauchs zu prüfen, sagte der Vorsitzende Enis Gülegen.