Der sogenannte "Südend-Neger" mit schwarzer Haut und Knochen
Das war 2012: Der sogenannte "Südend-Neger" mit schwarzer Haut und Knochen in Fulda. Bild © picture-alliance/dpa

Kein Knochen mehr im Haar, hellere Haut und ein neuer Name: In Fulda reagiert man auf Rassismus-Vorwürfe zu einer umstrittenen Fastnachts-Figur. Ob das die Kritiker überzeugt?

Einfach eine Karnevals-Figur, sagen die einen. Blanker Rassismus, kontern die anderen. Der Streit um den sogenannten "Südend-Neger" beschäftigt Fulda seit Jahren. In diesem Jahr waren die Emotionen allerdings so hoch gekocht, dass Hessens größter Fastnachtsumzug mit gut 70.000 Besuchern nur unter Polizeischutz durch die Stadt zog.

Nun will der Verein "Südend Fulda e.V." den Kritikern entgegen kommen: In Zukunft soll der "Südend-Neger" oder auch "Negerfürst Wumba" anders aussehen und anders heißen, haben die Vereinsmitglieder auf der Jahreshauptversammlung beschlossen. In der Perücke aus krausem Haar soll kein Knochen mehr stecken, auch um den Hals soll keine Knochenkette mehr hängen, und statt mit schwarz soll sich die Figur mit einem etwas helleren Braun schminken.

Das Tierfell soll er aber weiter tragen. Eine Light-Version der Ursprungsfigur. "Uns wurde ja vorgeworfen, dass die Figur so eine böse Darstellung sei", sagt Vereinspräsident Andreas Beck im Gespräch mit readitnow.info. Daher verschwinden jetzt die Knochen.

Kritiker finden die Figur rassistisch

Und der Name? Vereinspräsident Andreas Beck sagt, er könne sich etwas wie "Der Ureinwohner des Fuldaer Südends" vorstellen, die Entscheidung müsse letztlich der Vorstand treffen. Schon im Frühjahr hatte Beck erzählt, dass es ihm "zunehmend seltsam" vorkam, den "Südend-Neger" anzukündigen. "So etwas sagt man heutzutage einfach nicht mehr."

Die Figur ohne Knochen und ohne Schminke.
Ungeschminkt: Dieses Jahr verzichteten die Fuldaer komplett auf Schminke und Knochen. In Zukunft soll die Haut etwas dunkler werden. Bild © picture-alliance/dpa

Mitarbeiter der Sozialwissenschaften an der Hochschule Fulda hatten den Verein öffentlich angeprangert. Das sogenannte Blackfacing, also das Schminken Weißer als Schwarze, sei eine "herabwürdigende, menschenverachtende und rassistische Praktik", schrieben sie in E-Mails, die von der Hochschulleitung später als Privatmeinung eingestuft wurden.

Die Anzeige gegen die Kritiker läuft

Dass sich die Kritiker nun von der Reform der Figur überzeugen lassen, hofft Beck, er glaubt es allerdings nicht: "Da muss die Justiz aktiv werden." Er und fünf andere Vereinsmitglieder haben gegen die Hochschule sowie gegen Unbekannt Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Er könne sich nicht einfach so als Rassist bezeichnen lassen, sagt Beck.

Allerdings hat die Staatsanwaltschaft bisher nur ihn als Zeugen geladen, die anderen noch nicht. Beck befürchtet, dass die Ermittlungen wegen Geringfügigkeit eingestellt werden. Das Ende des Streits wäre das nicht - die Kritiker stören sich zum Beispiel auch an den Uniformen der Karnevalisten, die denen der deutschen Kolonialtruppen in Afrika nachempfunden sein sollen.

Aber an den Uniformen ändere sich nichts, sagt Beck: "Wir werden unsere Kostüme nicht ablegen und an unserer Tradition zumindest in diesem Punkt festhalten."

Купить Сиалис профессионал