Eine Asiatische Buschmücke auf einem Finger
Vielleicht will sie nur spielen: Eine Asiatische Buschmücke sitzt auf einem Finger. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Verstärkung für Hessens Stechmücken: Die Asiatische Buschmücke macht sich breit. Bei ihrer Bekämpfung setzen Forscher im Rheingau auf die Mithilfe von Friedhofsbesuchern – und deren Cent-Münzen.

Wer den Friedhof in Lorch (Rheingau-Taunus) besucht, könnte Zeuge eines merkwürdig anmutenden Verhaltens werden: Vor den Gräbern kramen Menschen in ihren Taschen, um dann Centstücke in die Blumenvasen zu werfen. Das ist kein neuer heidnischer Kult, sondern ein wissenschaftliches Experiment.

Das Frankfurter Senckenberg-Institut für Biodiversität und Klimaforschung testet: Wie wirksam lässt sich mit Kleingeld die wachsende Zahl an Asiatischen Buschmücken bekämpfen, von denen Krankheitsübertragungen befürchtet werden? Das Geheimnis ist das Kupfer in den Ein-, Zwei und Fünf-Centmünzen.

Tödliches Gift gegen invasive Arten

Dass dieses Metall für Steckmücken ein tödliches Gift sein kann, war bekannt. Aber wie setzt es den Neulingen aus Fernost zu, die vor zehn Jahren erstmals in Deutschland gesichtet wurden? Neben der Asiatischen Buschmücke macht sich allmählich auch die Asiatische Tigermücke hier breit.

"In Laborversuchen haben wir einen toxischen Effekt von Ein-, Zwei- und Fünf-Centmünzen gegen Larven der Buschmücke festgestellt", sagt Friederike Reuß vom Senckenberg-Forschungsprojekt. In Lorch wollen die Wissenschaftler nun beobachten, wie das Kleingeld im Freilandversuch wirkt – und ob die Friedhofsbesucher auch mitmachen.

Wie hoch muss die Dosis sein?

Die Teilnahme ist nicht schwer: Wer ein oder mehrere Gräber auf einem bestimmten Grabfeld in Lorch pflegt, soll drei Kupfer-Centmünzen in eine Vase oder ein anderes mit Wasser gefülltes Gefäß legen. An solchen feuchten Stellen gedeiht der Mückennachwuchs ohne Gegenmaßnahmen besonders gut. "Es ist durchaus möglich, dass eine andere Zahl an Münzen effizienter ist. Auch das versuchen wir in Lorch herauszufinden", sagt Reuß.

Mit Ergebnissen ist vor Projektende im Jahr 2021 nicht zu rechnen. Dann wissen die Senckenberg-Experten vielleicht auch mehr über die Anzahl der Asiatischen Buschmücken in der Gegend. Das Insekt war 2008 erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen worden. Inzwischen hat es schon Regionen in neun Bundesländern besiedelt.

Klimawandel und Reiselust

Die Stiche der Asiatischen Buschmücke sind wie die der Tigermücke nach Einschätzung von Experten im Prinzip nicht schlimmer oder schmerzhafter als die anderer Stechmücken. Unter besonderer Beobachtung stehen die beiden invasiven Arten trotzdem. Laborversuche etwa zeigen, dass die Buschmücke tropische Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen könnte.

Bislang wurden solche Ansteckungsfälle nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Deutschland aber noch nicht registriert. Noch sind sie auch äußerst unwahrscheinlich. Um ein Virus per Stich zu übertragen, müsste eine der nicht lange lebenden Mücken zuvor einen infizierten Tropenreisenden gestochen haben. Durch den Klimawandel und die Zunahme an Reisen in tropische Länder dürfte das Risiko freilich in Zukunft steigen. Als Virus-Überträger kommen dann aber auch die schon länger hier lebenden Stechmücken in Betracht.