Zwei ausgewachsene Hirsche spazieren durch Dietzhölztal-Ewersbach.
Zwei ausgewachsene Hirsche spazieren durch Dietzhölztal-Ewersbach. Bild © picture-alliance/dpa

Ungewöhnlicher Besuch auf den Straßen Dietzhölztals: Mitten am Tag spazieren immer wieder zwei Hirsche durch den Ortsteil Ewersbach. Vielleicht nicht mehr lange.

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Fast täglich kommen sie inzwischen aus dem Wald in den Ort: Hirsche machen Dietzhölztal-Ewersbach (Lahn-Dill) unsicher. Die mehr als 100 Kilogramm schweren Tiere bewegen sich in aller Seelenruhe wie selbstverständlich auf den Straßen, weichen bei Gegenverkehr auf den Bürgersteig aus und machen auf ihrer Suche nach Futter auch vor Absperrungen nicht halt, wie Anwohner Arnd Wunderlich am Donnerstag berichtete.

Auch im Garten von Wunderlich sind die tierischen Besucher regelmäßige Gäste. "Die fühlen sich hier richtig heimisch", erzählte er. Ihm zufolge kommen sie seit einem Dreivierteljahr, immer zu zweit.

"Bei Hirschen noch nicht untergekommen"

Einige Bewohner der 3.000-Einwohner-Ortschaft Ewersbach haben ihre Grundstücke zum Schutz mit Flatterband abgesperrt. "Das hilft aber auch nicht", sagte Wunderlich. Bei ihm springen die Hirsche einfach über den Zaun. Auch Hirschkühe und Füchse wagten sich in den Ort. Zu Unfällen oder größeren Schäden sei es bisher aber nicht gekommen.

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Ausgewachsener Hirsch in Dietzhölztal

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Nun würden erst einmal die Gründe für das außergewöhnliche Verhalten der Tiere untersucht, sagte Reinhard Strack-Schmalor, Leiter der Aufsichts- und Ordnungsbehörden der Kreisverwaltung. "Wir kennen das Eindringen in Ortschaften von Waschbären. Aber bei ausgewachsenen Hirschen ist mir so etwas auch noch nicht untergekommen."

Bürgermeister sieht Autofahrer, Kinder und Alte in Gefahr

Die Jagd ist innerhalb von Ortschaften eigentlich verboten. Dietzhölztals Bürgermeister Andreas Thomas (parteilos) hat bei der Jagdbehörde des Kreises angefragt, ob für Ewersbach eine Ausnahme gemacht werden könnte.  "Einerseits kann ich die Tierschützer verstehen, auf der anderen Seite sind die Gefahren für Autofahrer, Kinder auf dem Schulweg und ältere Menschen nicht von der Hand zu weisen und da überwiegt meines Erachtens das Sicherheitsinteresse der Bürger", betonte Thomas.

Ein Antrag auf Abschuss sei aber nicht gestellt, so der Bürgermeister. Die Abschusserlaubnis kann laut Strack-Schmalor auch erst erteilt werden "wenn alles andere nicht mehr hilft". Zusammen mit der Jagdbehörde will Dietzhölztal deshalb jetzt prüfen, wie sich die Hirsche vergrämen lassen.