Bankräuber sind auf dem absteigenden Ast
Räuber alter Schule: Die Zahl der Banküberfälle geht stark zurück. Bild © Imago, readitnow.info

Von 180 auf 16 in zwei Jahrzehnten: Die Zahl der Banküberfälle in Hessen ist rapide gesunken. Die Gründe sind einleuchtend. Mancher Serientäter schaut sich bereits nach anderen Betätigungsfeldern um.

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Rudolf Egg

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kriminal-Psychologe Egg: "Der Weg für Bankräuber ist verbaut"

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Trotz aller kriminellen Tücke umweht den Bankräuber etwas Mystisches. "Hände hoch, das ist ein Überfall!" - in der Filmgeschichte war und ist der bewaffnete Gangster mit seinem Plan vom schnellen Geld ein fester Leinwand-Bestandteil. Und nicht selten kommt er dort sogar ans Ziel. Selbst in Liedern wurde dem Bösewicht schon gehuldigt.

Doch der Ba-Ba-Banküberfall ist akut vom Aussterben bedroht. Um mehr als das Zehnfache ging die Zahl der Raubzüge auf Banken und Postfilialen in den zurückliegenden gut 20 Jahren in Hessen zurück. Zählte die Kriminalstatistik im Jahr 1995 landesweit noch 180 Delikte, war 2017 mit gerade einmal 16 Überfällen ein neuer Tiefststand erreicht. Zwölf dieser Taten wurden bereits aufgeklärt.  

Ökonomische Gründe

"Der klassische Bankräuber ist auf dem Rückzug", sagt ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) in Wiesbaden zu readitnow.info. Die Gründe für die drastische Abnahme der Fallzahlen hängt weniger mit Nachwuchsproblemen im Raubgewerbe als vielmehr mit dem gestiegenen Risiko für die Täter zusammen.

Statistik Banküberfälle
Bild © readitnow.info/Saskia Schmidt

Vor allem bessere Überwachungstechnik erschwere die Arbeit der Ganoven, mutmaßen die Ermittler. Zudem lagere in den Banken nicht mehr so viel Geld wie früher. "Es ist ein ökonomisches Handeln eingetreten: Auch ein Bankräuber überlegt, wie hoch seine Erfolgsquote sein kann", meint der LKA-Sprecher.

Schlechte Zeiten für Amateure

Zu dieser Einschätzung kommt auch der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg, der erst kürzlich einem Serienbankräuber im Gefängnis einen Besuch abstattete: "Der hat mir auch erzählt, dass er es künftig nicht mehr machen wird, weil es zu kompliziert geworden ist."

Gerade die Einmaltäter, also jene, die wegen einer akuten Notlage spontan in die Räuber-Rolle schlüpften, hätten es besonders schwer. "Die werden relativ schnell erwischt, weil sie sich nicht auskennen mit dem Metier", sagt Egg. Bei Serientätern sehe das etwas anders aus. "Es wird in Zukunft weniger Banküberfälle geben, aber die, die es gibt, werden vermutlich professioneller geplant und durchgeführt sein", prophezeit der Experte.

Moralisch überlegen

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Maskierter Räuber mit Pistole

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Egg: "Unrecht ist es schon, aber nicht so schlimm"

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Neben der Aussicht aufs große Geld wähnt sich der Bankräuber seinen Verbrecher-Kollegen übrigens auch moralisch überlegen. "Sie schaffen sich ihre eigene Legende: Unrecht ist es schon, aber nicht so schlimm", meint der Psychologie-Professor. Schließlich gehöre das Geld den Banken und ihren Opfern wollten sie beim Überfall nichts Böses, so die Argumentation. "Erst vor Gericht nehmen sie wahr, wie sehr sie die Leute in Angst und Schrecken versetzt haben", erklärt Egg.

Zitat
„Sie schaffen sich ihre eigene Legende: Unrecht ist es schon, aber nicht so schlimm.“ Zitat von Kriminal-Psychologe Rudolf Egg über Bankräuber
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Schwört der Berufsverbrecher dem Bankraub ab, werde er aber kaum zum gesetzestreuen Bürger. "Wer illegal zu Geld kommen will, der findet schon seine Wege", sagt Egg. Wer clever genug sei, verlege sich auf Internet-Betrügereien, was schwer nachzuweisen sei - "oder er überfallt einen Juwelier".

Umschulung zum Geldautomaten-Sprenger?

Auch das LKA stellt einen gewissen Wandel fest. "Es kann im Einzelfall passieren, dass ein Bankräuber umschult", berichtet der Behörden-Sprecher. Stark gestiegen ist zuletzt beispielsweise die Zahl der Sprengung von Geldautomaten. Mit 38 lag sie im vergangenen Jahr in Hessen bereits mehr als doppelt so hoch wie das Pendant Banküberfall. Als Täter werden dafür bislang aber eher ausländische Banden als ein angelernter ehemaliger Gangster mit Sturmmaske und Knarre vermutet.

"Anders als der Bankräuber stehen die Geldautomaten-Diebe niemandem Auge in Auge gegenüber. Das sind nur Maschinen und es geschieht nachts", sagt Psychologe Egg zu den unterschiedlichen Tätertypen. Ganz umgeschrieben werden muss die Kriminal-, Film- und Musikgeschichte also wohl noch nicht. Ge-Ge-Geldautomatensprengungen hätten ja auch kaum das Zeug zum Ohrwurm.

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