Ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle.
Ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle. Bild © picture-alliance/dpa

Bei einer Verkehrskontrolle wollte ein Autofahrer nicht anhalten - und hielt stattdessen auf den Beamten zu, der ihn stoppen wollte. Der konnte sich nur durch einen Sprung zur Seite retten.

Mit 48 km/h in der Tempo-30-Zone erwischt - eigentlich ein Bußgeld von 35 Euro. Für einen 24-Jährigen wird eine Verkehrskontrolle vom Montagvormittag in Wiesbaden aber wohl deutlich gravierendere Folgen. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, muss sich der Mann wegen des Verdachts der versuchten Tötung verantworten.

Demnach hatte ein Polizist den Mann gegen 10 Uhr bei einer mobilen Kontrolle gemessen. Als weitere Beamte ihn wenige Meter entfernt anhalten wollten, wendete der sein Auto und fuhr zurück - wieder an der Messstation vorbei. Dort stellte sich ihm der Beamte mit einer Haltekelle in der Hand in den Weg.

Gaspedal statt Bremse

Doch anstatt anzuhalten, gab der 24-Jährige Gas und fuhr auf den Polizisten zu. Der konnte zwar zur Seite springen, wurde aber dennoch gestreift und an der Hand verletzt, berichtete die Polizei.

Der Flüchtende fuhr weiter, bis er kurz darauf gegen einen Metallpfosten krachte. Anschließend verließ er das Auto und rannte zu Fuß davon. Obwohl die Polizisten sogar mit einem Hubschrauber nach ihm fahndeten, blieb er zunächst verschwunden - bis er etwa drei Stunden später gemeinsam mit einem Anwalt auf einer Polizeiwache erschien und sich stellte.

Immer mehr Gewalt gegen Beamte

Der 24-Jährige war bereits wegen verschiedener Verkehrsdelikte, etwa Fahren unter Drogeneinfluss, einschlägig bekannt - er hat auch seit 2016 keine Fahrerlaubnis mehr. Nun wurde der Mann in Gewahrsam genommen.

Andreas Grün, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), sieht den Vorfall als Teil eines allgemeinen Trends: "Die Gewalt gegen Polizisten nimmt immer mehr zu." Allein im vergangenen Jahr habe es 3.512 Gewalttaten gegen Beamte gegeben, im Vergleich zu 3.071 im Jahr 2015. Als Ursache vermutet Grün eine "zunehmende Respektlosigkeit gegen den Staat an sich und die Polizei als Vertreter des Staates".

Sendung: hr4, 17.07.2018, 16 Uhr