Tatwaffen des Angeklagten: eine Softwair-Waffe und eine Bombenattrappe
Tatwaffen des Angeklagten: eine Softwair-Waffe und eine Bombenattrappe Bild © picture-alliance/dpa

Mehr als 15 Jahre lang soll ein Ex-Jura-Student seinen Lebensunterhalt mit Banküberfällen finanziert haben. Auch in Hessen schlug er mehrfach zu - oft mit Waffenattrappen. Nun wurde er angeklagt.

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zum Video Ex-Student verübt mindestens 20 Banküberfälle

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Er überfiel Sparkassen und Banken in Serie, schlug manchmal zweimal am Tag zu und narrte Freunde und Familie: Ein mutmaßlicher Bankräuber, gegen den nun vor dem Landgericht Limburg Anklage erhoben wurde, soll über 15 Jahre lang bei seinen Raubzügen insgesamt 400.000 Euro erbeutet haben.

Der Verdächtige war im März festgenommen worden. Ihm werden 20 Überfälle seit 2002 in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zur Last gelegt. Dabei verwendete er laut Anklage täuschend echt aussehende Spielzeugpistolen, Waffenattrappen oder Dekorationswaffen, in einem Fall auch eine Softairwaffe und bei einem Überfall in Weiterstadt eine Bombenattrappe.

Banküberfälle zur Deckung des Lebensstandards

Einige der rund 100 Tatopfer leiden noch heute an den Folgen der Überfälle, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und die Polizei Waldeck-Frankenberg am Dienstag in Korbach mitteilten. Der 45-Jährige hat sich den Angaben zufolge Filialen auf dem Land für seine Überfälle ausgesucht. Er habe darauf geachtet, dass die nächste Polizeistation mindestens zehn Kilometer entfernt war. 

Der 45-Jährige aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein habe die Überfälle nicht begangen, um in "Saus und Braus zu leben, sondern zur Deckung eines normalen Lebensstandards", sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann schon während seines erfolglosen Studiums mit den Überfällen angefangen.

Geld aufgebraucht? Nächster Überfall!

Bei Freunden und Verwandten gab er vor, erfolgreich studiert zu haben und für einen Autokonzern zu arbeiten. Details zu seinen Lebensumständen machten die Ermittler nicht. Man wolle das familiäre Umfeld schützen. Er habe aber von 2.000 Euro pro Monat gelebt und den nächsten Überfall gemacht, wenn das Geld aufgebraucht war.

Auf die Spur des 45-Jährigen führte laut Polizei ein entscheidender Hinweis bei einem Überfall in Diemelsee-Adorf (Waldeck-Frankenberg) im Januar. Nähere Angaben machten die Ermittler nicht. Die Polizei hatte damals mit Aufnahmen aus der Überwachungskamera nach dem Täter gesucht, die hatte berichtet.

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