Basquiat offiziell
"Untitled" von 1982. Rechts Jean-Michel Basquiat, dessen Vater aus Haiti und dessen Mutter aus Puerto Rico stammten. Bild © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Estate of Jean-Michel Basquiat, Licensed by Artestar, New York, Courtesy Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Foto: Studio Tromp, Rotterdam, picture-alliance/dpa (Archiv), Kollage: hr

Als Jean-Michel Basquiat mit nur 27 Jahren an einer Überdosis starb, war er ein international gefeierter Kunststar. Jetzt zeigt die Frankfurter Schirn eine große Überblicks-Schau. readitnow.info erklärt, warum Sie die auf keinen Fall verpassen sollten.

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Jean-Michel Basquiat war ein Genie

Der 1960 in New York geborene Maler, Zeichner und Musiker war der erste Afroamerikaner, der sich in der Kunstwelt einen Namen machte - und das aus der Untergrund-Szene Lower Manhattans heraus. So war er im Jahr 1982 mit gerade einmal 21 Jahren der bis heute jüngste Teilnehmer einer documenta in Kassel.

Mittlerweile zählt Basquiat, der mit 17 von der Schule abging und nie eine künstlerische Ausbildung hatte, zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Für Dieter Buchhart, Kurator der Schirn-Austellung "Basquiat. Boom for Real" war er nicht weniger als eine Schlüsselfigur der Kunstwelt, wie er bei einem Rundgang durch die Schau sagte. Eine Schlüsselfigur, die Jugend- mit Hochkultur verbunden hat.

Politische Aussage trifft copy und paste

Basquiats Themen waren die Kunst und Musik des afro-amerikanischen New York der späten 1970er- und 1980er-Jahre. Seine Helden waren die Jazz-Musiker Miles Davis und Louis Armstrong, der Boxer Jack Johnson und der Olympiasieger Jesse Owens.

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Hip-Hop, TV-Comics und Stummfilme inspirierten ihn zu Graffiti, Installationen, Collagen, großen Leinwandgemälden und Skulpturen. Typisch für Basquiat waren schnell gekritzelte Bilder, von afrikanischer Kunst inspirierte Porträts und eine Krone, ein von drei Strichen eingefasstes großes W.

Nach Einschätzung von Buchhart hat Basquiat durch seine Energie, seine "einzigartigen Linien" und die "Art, wie er Wörter verwendet" die Kunst in neue Bahnen gelenkt. "Sein Copy-und-Paste-Ansatz reflektiert, wie wir heute denken", sagt er zu den mit Textfragmenten durchsetzten Collage-Werken. Mit seinen klaren Aussagen zu Fragen wie Rassismus, Kolonialismus, sozialem Unrecht oder Sklaverei habe Basquiat dem Betrachter neue Zusammenhänge eröffnet. Und das sei heute wichtiger als je.

Jay-Z und Banksy lieben Basquiat

Basquiat starb 1988 mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Er hinterließ rund tausend Gemälde und doppelt so viele Zeichnungen auf Papier, Leinwand, Holzlatten, aber auch auf Kühlschränken oder Helmen. Seine Werke erreichen Preise von über 100 Millionen Dollar und sind vor allem bei Musik- und Hollywoodstars gefragt.

Populär wurde Basquiat auch deshalb, weil ihn Rapper wie Killer Mike, Jay-Z oder Kanye West in ihren Songs verewigten. Anlässlich einer Basquiat-Ausstellung in London tauchten kürzlich zwei Graffiti des anonymen Künstlers Banksy auf: Auf einem wird eine typische Basquiat-Figur von zwei Polizisten begrüßt, auf einem zweiten sind die Kabinen des Londoner Riesenrades von Basquiat-Kronen ersetzt.

Basquiat-Werke sonst kaum zugänglich

Viele Basquiat-Werke gehören Privatsammlern, nur wenige Bilder hängen in Museen oder Galerien. Seit 1986 gab es keine umfassende Einzelausstellung des Künstlers mehr in Deutschland. Die Schirn Kunsthalle hat nun über 100 Gemälde, Installationen, Zeichnungen, Notizbücher, Texte, Fotos und Filme zusammengetragen.

Weitere Informationen

Basquia-Ausstellung

16. Februar bis 27. Mai 2018

Schirn Kunsthalle
Römerberg
60311 Frankfurt

Öffnungszeiten: Di, Fr - So: 10-19 Uhr; Mi, Do: 10-22 Uhr

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Die Ausstellung zeichnet Basquiats gesamten Werdegang vom Graffiti-Künstler über den Hip-Hopper bis zum Maler nach und führt den Besucher durch Räume, die stellenweise Clubatmosphäre atmen.

Damit macht sie gleichzeitig eine Zeitreise in die Kreativszene im Lower Manhattan der 1980er Jahre, wo spätere Weltstars wie Madonna oder Grace Jones - beides Bekannte von Basquiat - auf den großen Durchbruch warteten. Kuratorin Eleanor Nairne sprach denn auch konsequent von einer "Show" statt von einer Ausstellung. Wie auch immer man sie nennt - "Boom for Real" ist absolut sehenswert.