Seife documenta Otobong Nkanga
Annette Brausch ist eine von neun Performern, die das Kunstwerk der nigerianischen Künstlerin Otobong Nkanga präsentieren. Bild © Katrin Kimpel (hr)

20 Euro und Zeit für ein Gespräch: Das müssen documenta-Besucher für ein Stück Seife der Nigerianerin Otobong Nkanga investieren. Auch den Verkäuferinnen wird einiges abverlangt.

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Bis zu zwei Stunden am Stück steht sie mit einem Bauchladen und einem schweren Umhang behängt im Museum, redet und redet und verkauft Seife. Schwarze Seife – der Renner auf der documenta 14 in Kassel. Annette Brausch ist Kunsthistorikerin und arbeitet für die nigerianische Künstlerin Otobong Nkanga. Die documenta 14 ist bereits der dritte Einsatz für die 49-Jährige.

Der Künstlerin sind die Arbeitsbedingungen wichtig

Bei der aktuellen Ausgabe der Documenta, die noch bis Mitte September in Kassel läuft, ist sie nun ausschließlich für die Künstlerin Otobon Nkanga tätig. "Ich bin Angestellte und bekomme für meinen Einsatz auch eine Vergütung". Das sei ihr und auch der Künstlerin sehr wichtig, gehe es doch in dem Seifen-Werk "Carved to Flow" um Kapitalismuskritik und auch darum, wie Arbeitsleistung gewürdigt und Arbeitsbedingungen ausgestaltet werden.

Otobong Nkanga 2012 in Frankfurt
Die nigerianische documenta 14-Künstlerin Otobong Nkanga 2012 in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

"Ich habe mit anderen Helfern in anderen Bereichen gesprochen. Viele bekommen kein Geld für ihren Einsatz und machen trotzdem mit, weil sie froh sind, überhaupt bei der documenta dabei sein zu können." Annette Brausch kann die Dauer ihrer Schicht und ihre Pausen selbst bestimmen. "Manchmal ist man schon nach eineinhalb Stunden fertig. Der Bauchladen ist auch sehr schwer." Aber die Künstlerin Otobong Nkanga sei sehr fürsorglich, habe Rückenstützgurte für Gewichtheber für ihre Performer besorgt.

Nur genau ein Stück Seife - und nur im Dialog

Auf die Gesamtlaufzeit der documenta 14 verteilt sind neun Performer im Einsatz für "Carved to Flow" , aber nicht alle gleichzeitig. Zwei stehen in der Neuen Galerie, zwei stehen in der Neuen Neuen Galerie (Neue Hauptpost). Über ihren Bauchladen hinweg kommen sie mit den Besuchern ins Gespräch.

"Ich repräsentiere das Werk der Künstlerin. Wir Performer beantworten alle Fragen und verkaufen die Seifen." Jeder Besucher kann nur eine einzige Seife und nur im Rahmen der Performance kaufen. Die Performer verpacken sie und geben sie sozusagen als letzten Schritt der Produktionskette hinaus in die Welt. So wird auch der Käufer Teil des Kunstwerkes. 15.000 Stück wurden produziert, bereits über 10.000 wurden während der ersten Halbzeit nach documenta-Angaben in Kassel verkauft.

Seife documenta Otobong Nkanga
Es gilt: Eine Seife pro Besucher. Jedes Stück ist handgefertigt und ein Unikat. Bild © Katrin Kimpel (hr)

"Die Besucher sind wahnsinnig interessiert und nehmen sich tatsächlich die Zeit, das Werk zu verstehen." Es sei zwar anstrengend, so viel zu sprechen, englisch und deutsch permanent durcheinander. Aber die Arbeit sei "extrem inspirierend und keine Einbahnstraße". Oft erzählten auch die Besucher eine Geschichte, wie etwa eine Japanerin, die von traditioneller Seifenproduktion in ihrem Land berichtete. "Da nehme ich selbst dann auch etwas mit nach Hause."

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Die Schwarze Seife

Die Seife wird nach einer speziellen Rezeptur in einer Manufaktur in Griechenland hergestellt. Sie besteht aus sieben Zutaten aus rohstoffreichen, aber krisengeschüttelten Ländern und Regionen wie Nordafrika, Westafrika, Syrien und Griechenland. Enthalten sind Kräuter wie Salbei und Lorbeer, Oliven- und Kokosöl sowie Shea- und Kakaobutter.
Kohle färbt die Seife schwarz. Auf jedem Stück gibt es einen Aufdruck, der aus Kreisen und Linien besteht und schematisch den Grundriss eines traditionellen Dorfes in Kamerun darstellt.
Die Pappschächtelchen, in die die Seifenstücke verpackt werden, sind mit Gedichten der Künstlerin Otobong Nkanga bedruckt. Ein Stück Seife kostet 20 Euro. Jeder Besucher kann nur ein Stück kaufen, Gesprächsbereitschaft zum Produkt wird erwartet. Der Erlös des Seifenverkaufes fließt in neue Projekte. Möglicherweise in Nigeria, wo die Künstlerin herstammt, oder aber auch in Griechenland.

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Egal ob zwei Stunden oder Zwei Tage: Tipps für einen documenta 14-Besuch in Kassel gibt es hier.

Sendung: hr4, 03.8.2017, 14.00 Uhr

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