Peter Simonischek spielt den Dirigenten Eduard Sporck.
Peter Simonischek spielt den Dirigenten Eduard Sporck. Bild © Sonja Fouraté (hr)

Schauspieler Peter Simonischek spielt bei Dreharbeiten in Wiesbaden einen Dirigenten, der die Hoffnung auf Frieden in Nahost nährt. Das funktioniert so gut, dass die Darsteller Feindseligkeiten nur noch mit Mühe spielen können.

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Simonischek Beglau

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Regisseur Zahavi: "Die Musiker begegnen sich zunächst voller Hass"

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Sie sind drauf und dran, die Chance ihres Lebens zu verpassen: Zwei junge Araber, eine Violinistin und ein Klarinettist, werden bei der Einreise nach Tel Aviv an einem Checkpoint aufgehalten. Am Ende stürzen sie atemlos den Probensaal des berühmten Charles-Bronfman-Auditoriums in Tel Aviv.

Wir sind mitten in den Dreharbeiten zu einem Film mit dem Arbeitstitel "Crescendo" in Wiesbaden. In das Congress Center der Landeshauptstadt hat Regisseur Dror Zahavi das Konzerthaus aus dem Film verlegt, aus Kostengründen. Und so warten jugendliche Komparsen vor dem Saal, innen spielt eine Gruppe mit echten Musikern die Szene durch.

Im Film stellt der berühmte Dirigent Eduard Sporck bei einer Audition das Jugendorchester aus jungen Palästinensern und Israelis zusammen, das mit einem Konzert die Friedensverhandlungen zwischen Diplomaten aus Israel und Palästina begleiten soll.

Ein Stück Tel Aviv in Wiesbaden

Im Congress Center hängen Schilder mit hebräischen Schriftzeichen, in der Eingangshalle stehen Werbetafeln mit der Aufschrift "Eduard Sporck – Audition for his new orchestra project" und einem Bild von Dirigent Sporck, der von Peter Simonischek, Star des Wiener Burgtheaters, gespielt wird.

Für den 72 Jahre alten Schauspieler ist die Rolle trotz aller Erfahrung eine Herausforderung. "Es ist unglaublich schwierig, so zu dirigieren, dass der Zuschauer es mir auch abnehmen wird", erzählt er am Donnerstag in einer Drehpause. "Da muss jede Bewegung, jeder Blick stimmen." Noten lesen könne er zwar, sagt er, "aber ganze Partituren sind dann doch etwas anderes."

"Film will Hoffnung nähren"

Das habe ihn aber beim Lesen des Drehbuchs nicht abgeschreckt, berichtet er. "Das Spannende an dem Film ist für mich die Aussage, dass Hoffnung genährt wird, und dass man nicht müde wird, diese Hoffnung zu nähren." Die Hoffnung nämlich, dass Israelis und Palästinenser eines Tages zu einem friedlichen Zusammenleben finden.

Auch im Film gibt es zunächst jede Menge Konflikte zwischen den beiden Gruppen – dann raufen sie sich dank der Musik aber zusammen und hoffen, dass sie während der Friedensverhandlungen Brücken bauen können.

In der Realität hat die Schauspielerei Araber und Israelis zusammengebracht: "Beim Casting hat es noch Gruppenbildungen gegeben", sagt Produzentin Alice Brauner, "inzwischen sind die Jugendlichen so zusammengewachsen, dass der Regisseur sie immer wieder daran erinnern muss, dass sie auch noch Feindseligkeiten spielen müssen." Brauner ist überzeugt: "Der Film zeigt im Kleinen, dass das Zusammenleben funktionieren kann."

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Drei Fakten zum Film

  • Peter Simonischek spielt seit Jahrzehnten in Film- und Theaterproduktionen. Bei den Salzburger Festspielen war er von 2002 bis 2009 der "Jedermann", seit 1999 ist er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Internationale Bekanntheit brachte ihm 2016 die Titelrolle im Spielfilm "Toni Erdmann" ein, der 2017 auch für einen Oscar nominiert war.
  • Der israelische Regisseur Dror Zahavi (Jahrgang 1959) lebt in Berlin und hat preisgekrönte Filme wie "Alles für meinen Vater" gedreht.
  • Für "Crescendo" sind in Hessen neun Drehtage veranschlagt, Drehorte sind auch Frankfurt und Rüsselsheim. Das Land Hessen hat den Film mit 350.000 Euro gefördert. Die Kompositionen, die im Film zu hören sind, wurden von der Neuen Philharmonie Frankfurt eingespielt. Der Film soll 2019 in die Kinos kommen.
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