Im Landesmuseum Darmstadt: Wieder komplett: die Skulptur "Woman leaning against the wall" von John de Andrea
Im Landesmuseum Darmstadt: Wieder komplett: die Skulptur "Woman leaning against the wall" von John de Andrea Bild © picture-alliance/dpa (Archiv), Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Haarige Sache im Landesmuseum Darmstadt: Monatelang restaurierten Experten eine nackte Skulptur. Jemand hatte ihr die Schamhaare abrasiert.

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Skulptur "Woman leaning against the wall"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Beschädigte Kunstskulptur aufwändig restauriert

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Sie sieht täuschend echt aus: eine nackte Frau, die sich im Landesmuseum Darmstadt an die Wand anlehnt. "Woman leaning against the wall" heißt die Kunstskulptur des amerikanischen Künstlers John De Andrea aus dem Jahr 1978. Monatelang war sie nicht in dem Museum zu sehen - aufgrund einer pikanten Beschädigung. Im Frühjahr vergangenen Jahres war der nackten Frauenfigur nämlich das Schamhaar abrasiert worden.

Nur echt mit richtigem Schamhaar

Der Schaden war enorm, laut Polizei rund 30.000 Euro. Die Restaurationsabteilung des Landesmuseums hatte alle Mühe, das Kunstwerk zu rekonstruieren. "Es ging ja auch darum, das richtige Material zu bekommen, damit es täuschend echt aussieht", sagt Restauratorin Olivia Levental. "Ein Kopfhaar hat eben nicht die gleiche Beschaffenheit wie ein Schamhaar."

Nach wochenlangen Testversuchen und Rücksprachen mit dem Künstler stand fest: Die nackte Frau kann nur mit echtem Schamhaar restauriert werden. Nun ist das Werk wieder komplett. Die Skulptur ist restauriert und kann wieder in der Abteilung für Moderne Kunst nach 1945 des Museums besichtigt werden.

Der Übeltäter konnte bisher nicht gefasst werden. Die Ermittlungen der Polizei liefen ins Leere. "Das war eine gezielte Aktion", vermutet Museumsdirektor Theo Jülich. Solche gezielten Attacken kämen zum Glück nur selten vor, mutwillige und versehentliche Beschädigungen von Kunstwerken dagegen geschähen häufiger.

Museum überdenkt Sicherheitskonzept

"Ich mach keinem Kind einen Vorwurf, wenn es irgendwo dagegenstolpert. Was mich ärgert, sind Mutproben oder falsch verstandene Witzigkeit", sagt der Museumsdirektor. "Das ist einfach nur doof."

Bei der Sanierung des Landesmuseums Darmstadt wurden Barrieren ganz bewusst abgebaut, die Besucher kommen nun näher an die Kunstwerke ran. "Das war unser Konzept, dass wir die Hemmschwelle zwischen Kunstwerk und Betrachter so gering wie möglich halten", sagt Jülich.

Dennoch wird im Landesmuseum Darmstadt nun über eine bessere Alarmsicherung einzelner Kunstwerke nachgedacht - nicht erst seit dem jüngsten Vorfall mit der nackten Dame. "Wir haben beobachtet, dass wir an der ein oder anderen Stelle, die schwer einsehbar ist, einen besseren Schutz brauchen", sagt Jülich.


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