Bad Banks Presse
In der Serie "Bad Banks" brennt Frankfurt. Der Mob tobt durch die Straßen der Bankenstadt, und Jana (Paula Beer) befindet sich mittendrin. Gedreht wurde in der Neuen Mainzer Landstraße. Bild © ZDF, Ricardo Vaz Palma

Frankfurt intrigant: Das ZDF zeigt seit Donnerstag die Thriller-Serie "Bad Banks". Ein Gespräch mit dem Regisseur und der Hauptdarstellerin über das arme und reiche Frankfurt sowie einen Dreh mit einem aufgebrachten Mob in der Hochhäuserschlucht.

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Zehn Jahre nach der Finanzkrise zeigt die sechsteilige ZDF-Serie "Bad Banks" Frankfurt aus einer glanzvollen und zugleich beklemmenden Perspektive. Es geht um die junge, hochtalentierte Investment-Bankerin Jana Liekam. Sie tritt in Frankfurt eine neue Stelle bei einer Bank an. Schnell wird sie in eine Intrige verstrickt, die sie zwingt, ihrem Arbeitgeber zu schaden. Bald kommt es zu einer Krise, die außer Kontrolle gerät.

Auf dem Filmfestival Berlinale liefen die ersten beiden Folgen vorab, seit Donnerstag sind alle sechs Folgen in der zu sehen. Im Fernsehen läuft die Serie am 1. und 2. März auf arte sowie im ZDF am 3., 4. und 5. März.

readitnow.info hat mit Hauptdarstellerin Paula Beer, die Bankerin Liekam spielt, gesprochen und mit Regisseur Christian Schwochow.

readitnow.info: Frau Beer, wie haben Sie sich in die komplexe Materie des Investmentbankings eingearbeitet?

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Paula Beer

... wurde 1995 geboren und stand mit 15 Jahren zum ersten Mal vor der Kamera. Es folgten auch internationale Produktionen wie "Frantz" (2016) des französischen Regisseurs Francois Ozon. Beer wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Filmpreis.

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Paula Beer: Ich hatte nur fünf Wochen Zeit, das musste reichen. Ich habe mit Christian Schwochow schon Monate vorher angefangen, über die Figur zu reden. Das Tolle war: Wir haben im Vorfeld so viel Material bekommen, dass man sich damit vertraut machen konnte. Wir hatten auch die Möglichkeit, mit Bankern zu reden. Das ist aus Schauspielersicht sowieso das Beste.

readitnow.info: Waren diese Banker noch aktiv, kamen sie aus Frankfurt?

Regisseur Christian Schwochow
Regisseur Christian Schwochow Bild © Stefan Müller (hr)

Beer: Ganz unterschiedlich. Wir haben mit Leuten geredet, die noch studieren, die ausgestiegen sind, die ziemlich weit oben sind. Wir hatten von jedem etwas dabei …

Christian Schwochow: Ich habe in der Vorbereitung auch die Doku "Master of the Universe" über den Frankfurter Ex-Investmentbanker Rainer Voss gesehen, aber das war nur ein Aspekt. Seine Art der Anklage finde ich sehr gelungen. Das war aber nicht unsere Position.

Wir wollten versuchen, die Faszination dieser Branche zu beschreiben und zu begreifen, um dann die Zuschauer dahin zu verführen, sich zu überlegen: Ab welchem Punkt hört Moral auf? Ab welchem Punkt passieren Dinge, die andere Leute für kriminell halten würden? Und die am Ende wirklich kriminell sind.

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Christian Schwochow

... wurde 1978 geboren. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst als Journalist, später studierte er Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg. Für seinen TV-Zweiteiler "Der Turm" nach dem Roman von Uwe Tellkamp erhielt er 2013 einen Grimme-Preis. Sein Film "Die Täter - Heute ist nicht alle Tage" war Teil der NSU-Trilogie in der ARD.

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readitnow.info: Welcher Drehort hat Ihnen in Frankfurt um Umgebung am besten gefallen?

Beer: Wir hatten die Chance, in sehr verrückten Locations zu drehen. Allein in Janas Wohnung, die sie von der Bank gestellt bekommt, ist man ja nicht jeden Tag.

readitnow.info: Gibt es die Wohnung im Taunusturm wirklich?

Beer: Ja, die existiert genau so, mitten im Kern von Frankfurt. In solch einen Ausschnitt des Luxuslebens reinzuschnuppern, ist schon aufregend, wenn man das nicht kennt.

readitnow.info: Hat die Serie Ihren Blick auf Frankfurt, das ja gern als Bankfurt bezeichnet wird, verändert?

Schwochow: Ich hatte gar keine feste Meinung zu Frankfurt, bin das erste Mal so richtig da gewesen, mit Neugier und Lust. Ich fand es unglaublich spannend, dort zu drehen.

Für eine Banken-Serie ist es schon kurios, dass am Fuß der Türme das Rotlicht und die Drogen und die Rockerclubs ihre Heimat gefunden haben. Der Glanz und die Unterwelt so nahe beisammen: Das kann man sich als Filmemacher nicht ausdenken. Da würden alle sagen: Ihr spinnt ja ...

readitnow.info: Wie war für Sie der Dreh in der Neuen Mainzer Straße, mitten im Bankenviertel, als es dort zu einem Aufstand der Bevölkerung kommt?

Schwochow: Das war der Hammer! Es gibt in der Serie eine Szene gleich am Beginn, wo ein Krisenszenario durchgespielt wird - mit vielen Komparsen. Die Menschen kriegen kein Geld mehr aus den Automaten, es entsteht Protest, die Polizei kommt. Das war eine der komplexesten Drehtage, die ich in meinem Leben hatte.

Wir haben von der Stadt Frankfurt auf 800 Metern eine Komplettsperrung erreicht. Das war so toll. Ich habe noch nie so ein großes, zusammenhängendes Motiv gehabt.

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Paula Beer als Jana Liekam und Barry Atsma als ihr Chef Gabriel Fenger. Bild © ZDF und Ricardo Vaz Palma

readitnow.info: Wem hat "Bad Banks" es zu verdanken, dass Frauenfiguren wie Jana Liekam so stark gezeichnet sind?

Beer: Ich kann da nur mutmaßen. Meine Interpretation: Es ist vielleicht gerade das Spannende, ein System, was doch noch so stark von Männern dominiert wird, aus einer weiblichen Sicht zu erzählen. Dazu zählt ja auch, welche männlichen Positionen die Frauen dann einnehmen. Oder einnehmen müssen, um sich durchzusetzen.

Das Gespräch führte Stefan Müller.

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Kurzkritik "Bad Banks"

"Bad Banks" kann in jeder Sekunde mit internationalen Produktionen mithalten: Der sechsteilige Thriller um Macht, Gier und Grenzen der Moral entwickelt im Verlauf ein fast atemloses Tempo. Das Drehbuch orientiert sich an realen Skandalen und ist für eine deutsche Produktion erstaunlich konsequent.

Die Serie ist bis in die Nebenrollen herausragend besetzt, die Figuren so facettenreich, wie es Zuschauer sonst von amerikanischen TV-Produktionen kennen: Désirée Nosbuch läuft als Bankerin Christelle Leblanc zu Hochform auf. Sie spielt die eiskalte Strippenzieherin, die aber in privaten Momenten völlig überfordert ist, mit berührender Intensität. Paula Beer als innerlich zerrissene Bankerin Jana Liekam gilt zurecht als deutscher Schauspiel-Shootingstar. Und der Niederländer Barry Atsma als ehrgeiziger Macho-Bankenchef Gabriel Fenger ist eine echte Neuentdeckung.

Und dann ist da Frankfurt, einer der Hauptdrehorte: Es gibt nächtliche Kamerafahrten durch goldgelb leuchtende Häuserschluchten. Tagsüber erscheint die Skyline im silbrigen blauen Licht, in dem Obdachlose am Fuß der glitzernden Hochhäuser campieren. Die Stadt der Bankentürme und der Gegensätze zwischen Reich und Arm wurde selten so konsequent in Szene gesetzt.

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Sendung: hr1, 22.02.2018, 06.44 Uhr