Kinderoper Hänsel und Gretel/Bad Vilbel
Szene aus der Oper Hänsel und Gretel für Kinder. Das Stück läuft bis September 2018 bei den Burgfestspielen Bad Vilbel. Bild © Eugen Sommer

Bei vielen Erwachsenen hat die Oper einen schweren Stand. Sie gilt als elitär. Wie schnell aber Kinder dafür zu begeistern sind, zeigen seit Jahren die Burgfestspiele Bad Vilbel. Regisseur Benedikt Borrmann erzählt im Interview, wie er große Opern-Themen kindgerecht auf die Bühne bringt.

Seit 2011 stehen bei den Burgfestspielen Bad Vilbel Opern für Kinder auf dem Spielplan. In diesem Jahr ist es "Hänsel und Gretel". Ein Gespräch mit Regisseur Benedikt Borrmann.

readitnow.info: Sie inszenieren Opern für Erwachsene und Kinder. Welches Publikum ist strenger?

Benedikt Borrmann: Kinder! Wobei, ob sie strenger sind, weiß ich nicht. Aber direkter, ehrlicher. Ein Erwachsener langweilt sich vielleicht gepflegt, denkt: 'Naja, das Stück ist nicht ganz so toll' - und ist ruhig. Kinder dagegen werden unruhig. Wenn etwas für sie doof ist, dann ist es doof. Aber genau das ist das Tolle!

readitnow.info: Ist das auch die größte Herausforderung, Kinder bei der Stange zu halten?

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Hänsel und Gretel in Bad Vilbel

Die nächsten Vorstellungen am 14., 23. und 29.6. (alle ) in der Wasserburg in Bad Vilbel.

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Borrmann: Wir haben in Bad Vilbel unter anderem Figaros Hochzeit inszeniert, den Fliegenden Holländer und jetzt Hänsel und Gretel. Das sind ja die großen Opernstoffe. Für uns ist wichtig, sie kindgerecht auf die Bühne zu bringen. Dafür müssen Sie die Stoffe bearbeiten. Beim Figaro zum Beispiel haben wir von dreieinhalb Stunden auf 70 Minuten gekürzt.

Trotzdem muss das Stück nachvollziehbar bleiben. Worauf man auch achten muss, ist die Verständlichkeit. Natürlich versteht man nicht jedes Wort bei einem Singspiel. Dennoch müssen gerade Kinder den Stoff nachvollziehen können.

readitnow.info: Opern-Themen sind oft Liebe, Leidenschaft und Tod - wie setzen Sie die kindgerecht um?

Borrmann: Beim Thema Tod machen wir uns vorher viele Gedanken. Bei Hänsel und Gretel haben wir lange überlegt: Die Hexe landet am Ende im Ofen, geht das eins zu eins? Wir haben ja gesagt. Beim Fliegenden Holländer segelte der Kapitän am Ende auf einem Boot davon, dahinter schlossen sich die Wellen. Das war nicht ganz so offensichtlich.

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Es gibt natürlich auch andere thematische Grenzen: Bei Figaros Hochzeit geht es um die große Frage der Erotik. Das interessiert ein fünfjähriges Kind natürlich nicht (lacht). Da lag unser Schwerpunkt auf dem Verstecken und dem Verkleiden.

Generell geht es mir bei der Oper für Kinder auch immer um ein Hauptthema. Ich suche das gar nicht, es ergibt sich eigentlich immer von selbst. Bei Hänsel und Gretel ist es das Thema Angst. Wie gehen Kinder mit Angst um? Ein Großteil spielt im Wald, dann ist da die Hexe: Da geht es um Urängste und am Ende um die Überwindung der Angst.

readitnow.info: Geben Sie den Kindern auch eine Botschaft mit?

Regisseur Benedikt Borrmann
Benedikt Borrmann Bild © Burgfestspiele Bad Vilbel

Borrmann: Wir denken schon daran, was man den Kindern mitgeben kann. Keine große Botschaft, eine kleine vielleicht. Das wäre im Fall von Hänsel und Gre Gemeinsam ist man stärker. Hänsel und Gretel haben beide ihre Stärken und ihre Schwächen, gemeinsam kommen sie raus aus dem Wald.

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Benedikt Borrmann ...

... inszeniert seit 2010 Musicals und Opern für die Bad Vilbeler Burgfestspiele, seit 2011 Opern für Kinder. Außerdem führte er Regie an den Städtischen Bühnen Münster und dem Staatstheater Kassel, wo er auch mehrere Spielzeiten als Spielleiter wirkte. Mittlerweile hat er mehr als fünfzig Produktionen erarbeitet. Seit 2014 unterrichtet Borrmann auch als Dozent für szenischen Unterricht an der Musikhochschule in Münster.

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readitnow.info: Sie inszenieren die Oper für Kinder in Bad Vilbel zusammen mit Studierenden der Frankfurter Musikhochschule. Wie ist es, wenn Berufsanfänger auf Kinder treffen?

Borrmann: Das ist natürlich eine Riesenerfahrung für sie. Kinder sind einfach das ehrlichste Publikum. Ich versuche, die Studierenden vor der Premiere zu coachen, dass Kinder auch mal rumlaufen oder dass es auch mal sehr unruhig werden kann. Aber: Kinder sind halt ehrlich, sprich, wenn sie unruhig werden, hat der Regisseur vielleicht einen Fehler gemacht. Dann stimmt eine Szene einfach nicht, sie interessiert Kinder nicht oder ist zu kompliziert.

Ich habe hier auch zwei Mal die Zauberflöte inszeniert. In der ersten Fassung war die Pamina-Arie noch drin, weil ich die Oper nicht zu sehr beschneiden wollte. Das war aber ein Fehler. Da sind die Kinder schon in der Premiere komplett ausgestiegen. Da war fünf Minuten Rabatz. Das war schon eine Erfahrung.

Die Studenten lernen da wirklich etwas fürs Berufsleben. Wer es übersteht, gegen 700 Kinder anzusingen, die gerade nicht so viel Lust haben, der hat was gelernt. Wobei ich es ganz extrem noch nicht erlebt habe. Die steigen mal kurzfristig aus, sind aber schnell wieder drin.

readitnow.info: Haben Sie eigentlich einen Traum, eine Oper, die Sie noch gerne inszenieren würden?

Borrmann: Im Prinzip bin ich ganz glücklich so (lacht). Wobei: Es gibt ja auch modernere Opern für Kinder. Das fände ich nochmal spannend.

Es gibt zum Beispiel eine sehr schöne Räuber-Hotzenplotz-Vertonung, die wird im Moment in Deutschland sehr viel gespielt. Dann gibt es "Where the wild things are" (Wo die wilden Kerle wohnen) von Oliver Knussen. Auch das würde mich nochmal interessieren. Oder: Den Ring der Nibelungen für Kinder fände ich gar nicht so absurd. Da gibt es Drachen und Schwertkämpfe. Warum nicht?

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Oper für Kinder in Hessen

In Frankfurt gibt es Opern für Kinder unter anderem bei den . Das Programm "Aramsamsam" ist für Kinder ab 2 Jahre geeignet. Das ist schon für Kinder ab dem Säuglingsalter (bis 3 Jahre) konzipiert. Für ältere Kinder gibt es verschiedene Familienkonzerte. Auch das im Palmengarten bietet musikalische Stücke an. Interessierte Eltern müssen allerdings schnell sein: Die Vorstellungen sind meistens schon kurz nach der Veröffentlichung der Spielpläne ausverkauft.

In Darmstadt bietet das klassische Konzerte für Kinder ab 3 Jahren und Familienopern an.

Das hat zuletzt die Zauberflöte für Kinder (ab 5 Jahre) inszeniert, auch hier stehen immer wieder Stücke für Kinder auf dem Spielplan.

Auf dem stand zuletzt Hänsel und Gretel, und auch hier gibt es regelmäßig Opern für Kinder.

Die Stadttheater in und und verschiedene Sommerfestspiele bieten ebenfalls Kinder- und Jugendstücke an.

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Das Gespräch führte Sonja Fouraté.