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Regina Oehler, Wissenschaftsredakteurin im Hessischen Rundfunk Bild © hr, picture-alliance/dpa

Mit dem Hessischen Kulturpreis ehrt das Land in diesem Jahr erstmals drei Journalisten. Unter ihnen ist die hr-iNFO-Wissenschaftsredakteurin Regina Oehler. Im Interview erklärt sie, warum Wissenschaft und Kultur für sie zusammengehören.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hessischer Kulturpreis 2018 für Regina Oehler

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Der Hessische Kulturpreis 2018 ehrt gleich drei Journalisten für ihr publizistisches Werk: Andreas Platthaus, Literaturchef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Heike Schmoll, politische Korrespondentin der FAZ und die Hörfunk-Journalistin Regina Oehler, Wissenschaftsredakteurin bei hr-iNFO.

readitnow.info sprach mit der Biologin und Psychologin, die zuletzt das 24-teilige redaktionell betreute, über ihre Überraschung, diesen Preis zu bekommen, über das Verhältnis von Wissenschaft und Kultur und ihre Freude, komplexe Themen spannend an die Hörerinnen und Hörer zu bringen.

readitnow.info: Wie haben Sie von dem Preis erfahren und wie fühlen Sie sich heute?

Regina Oehler: Anfang Mai lag ein edler Brief vom hessischen Ministerpräsidenten im Posteingang. Ich war erst einmal maßlos verblüfft, im Traum hätte ich nicht damit gerechnet, einen solchen Preis zugesprochen zu bekommen. Ich fühle mich übermütig, beschwingt und freue mich sehr.

readitnow.info: Der Hessische Kulturpreis ist, wie es der Name sagt, ein Kulturpreis. Sie sind Wissenschaftsjournalistin.

Oehler: Ja, genau deshalb habe ich mich wirklich ganz besonders gefreut. Denn für mich ist es ein Lebensthema, immer wieder zu betonen, dass Wissenschaft ein Teil unserer Kultur ist. Beide Gebiete gehören für mich untrennbar zusammen.

readitnow.info: Wie definieren Sie guten Wissenschaftsjournalismus?

Oehler: Guten Wissenschaftsjournalismus stelle ich mir wie guten Kulturjournalismus vor:  Dass wir kritisch begleiten, was an Universitäten, in Labors und Forschungsinstituten passiert. Dass wir, wie eine Theaterkritik, auch mal eine Forschungskritik schreiben und für unsere Themen alle Spielarten des Journalismus nutzen.

Und kritisch begleiten heißt eben auch, dass wir die journalistische Distanz wahren zu den Themen und Personen, über die wir berichten.

readitnow.info: Sie und die anderen beiden Preisträger sind die ersten Journalisten, die den Hessischen Kulturpreis bekommen. Welches Signal sendet die Staatskanzlei damit?

Oehler: Wenn man so einen Preis bekommt, zeigt das, dass kritische journalistische Arbeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Und vielleicht noch eine kleine Bemerkung zum Radio: Wir Radioleute haben schon manchmal das Gefühl, was wir senden, verpufft einfach. Da zeigt so ein Preis dann auch, dass dem nicht immer so ist.

readitnow.info: Welchen Stellenwert hat Wissenschaftsjournalismus heute noch?

Oehler: Warum noch? Wir haben zum Beispiel in hr-iNFO  jetzt gerade das Funkkolleg Biologie und Ethik gemacht, in dem es um viele Themen, wie etwa den Biodiversitätsverlust geht, die uns in den kommenden Jahrzehnten auf den Nägeln brennen und tief in unseren Alltag eingreifen werden.

Es gibt eigentlich kaum ein Thema, das uns als Gesellschaft umtreibt, das nicht auch ein Wissenschaftsthema ist. Diese Themen brauchen Platz im Journalismus, und ich finde, zu viel Raum haben sie derzeit ganz sicher nicht.

readitnow.info: Sie sind selbst Biologin und Psychologin und haben als Neurobiologin gearbeitet. Ist das unabdingbar für eine fundierte Berichterstattung?

Oehler: Man muss nicht unbedingt Biologie, Chemie oder Physik studiert haben. Aber es schadet sicher nicht, wenn man viel mitbekommt vom Weltbild von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Grenzen oder Methodenabhängigkeiten leichter erkennt. Wichtig für den Beruf ist sicher Begeisterungsfähigkeit und Vorsicht.

Ich habe das große Glück, mich mit Themen befassen zu können, auf die ich selber neugierig bin. Und als Radiojournalistin komme ich über die Menschen, über meine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, sehr nah an die Themen heran.

readitnow.info: Wie schaffen Sie es, komplizierte Themen wie etwa Hirnforschung übers Radio zu transportieren?

Oehler: Wichtig ist die Haltung. Möglichst neugierig und offen zu sein und keine Angst vor angeblich unverständlicher Wissenschaft zu haben. Nein, das ist verstehbar, was die Forscherinnen und Forscher in den Labors und Instituten machen, und es ist auch kritisierbar.

Das Gespräch führte Katrin Kimpel.

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Hessischer Kulturpreis

Der wurde 1982 erstmals verliehen. Er würdigt besondere Leistungen in Kunst, Wissenschaft und Kulturvermittlung. Er ist mit 45.000 Euro einer der höchst dotierten Kulturauszeichnungen in Deutschland.

Der Jury gehören neben Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) unter anderen der Intendant des Rheingau-Musik-Festivals, Michael Herrmann, die Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, Susanne Pfeffer, der Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Michael Quast, die Präsidentin der Frankfurter Goethe-Universität, Birgitta Wolff, sowie der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), an.

Preisträger vergangener Jahre waren etwa Jürgen Habermas, Navid Kermani, Kardinal Karl Lehmann und Volker Schlöndorff. Im vergangenen Jahr wurden die Frankfurter Wissenschaftler Matthias Lutz-Bachmann und Volker Mosbrugger ausgezeichnet. Übergeben wird der Preis am 16. November in Frankfurt.

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