'Ansicht von Frankfurt am Main, vom Mühlberg aus'  Kupferstich, 1819
"Ansicht von Frankfurt am Main, vom Mühlberg aus", Kupferstich, 1819 Bild © picture-alliance/dpa

Im Jahre 1801 wächst in Frankfurt die Angst vor dem französischen Kaiser Napoleon und seiner Armee, es wird gemordet und gebrandschatzt. Hilfe erhofft sich die Stadt in Stefan Lehnbergs historischem Krimi ausgerechnet von Goethe und Schiller.

Leser lieben Kriminalgeschichten. Noch größer ist ihr Interesse, wenn - wohlgemerkt fiktive - Verbrecher in ihrer eigenen Heimatregion wüten. Entsprechend gut laufen bei hessischen Lesern Romane, die in Hessen spielen. In einer losen Serie stellt readitnow.info aktuelle Krimis mit regionalem Bezug vor.

Die Geschichte:

Johann Wolfgang von Goethe und sein Freund Friedrich Schiller wollen Frankfurt gerade wieder in Richtung Weimar verlassen, als Fürst von Thurn und Taxis sie zu sich ruft. Zwei Stadträte sind bei dem Treffen mit dabei. Es geht um eine politisch brisante Angelegenheit: Man hat einen wackeligen Frieden mit Napoleon erreicht, doch dieser wird durch geheime Depeschen aus Frankfurt an den französischen Kaiser erschüttert. Der Magistrat aber versichert, keine Boten geschickt zu haben. Wer also? Die Männer befürchten, dass wegen der Geheimbriefe die Stadt erneut von Napoleons Armee überrollt wird.

Buchcover
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Die beiden Literaten lassen sich nicht lange bitten, zumal Goethe sich in eine betörende Frau verliebt hat. Um das Problem auf diplomatischem Wege zu lösen, versuchen die Dichter, Kontakt mit einem Kunstsammler aufzunehmen, der Verbindungen zu Napoleon haben soll. Doch dessen Haus geht in Flammen auf. Und zwei Stadträte werden ermordet. Goethe und Schiller wiederum geraten ein ums andere Mal in Lebensgefahr, bis sich abzeichnet: Es geht um Mehl.

Kurzkritik:

Stefan Lehnberg hat einen amüsanten Krimi geschrieben. Er beschreibt die Zeit und das Frankfurter Leben um 1801 facettenreich. Er wartet mit politischen Hintergründen für seine Geschichte auf. Das alles erzählt er mit viel Humor und slapstickartigen Szenen. Da greift Lehnberg auf seine Erfahrungen als Comedian zurück.

Goethe und Schiller sind klar als Sherlock Holmes und Dr. Watson erkennbar, der eine vergeistigt, der andere praktisch. Aber Lehnberg bleibt die Begründung schuldig, warum er ausgerechnet die beiden Leuchttürme der deutschen Kultur zu Ermittlern wider Willen macht. Zwei intelligente und findungsreiche Männer hätten völlig genügt, um diesen spannenden historischen Krimi zu verfassen.

Da hilft es auch nicht, das Cover auf alt zu trimmen und die zeitgenössische Orthografie zu bemühen, also etwa "Franckfurth" oder "bey" statt "bei" zu schreiben. Es reicht nicht, Zitate aus den Werken der beiden in die Geschichte miteinfließen zu lassen und somit immerhin den Nachweis zu erbringen, dass man seine Literaten kennt. Goethe und Schiller als Ermittler zu erfinden, bedeutet, dass man eine große Fallhöhe einbaut. Unter dieser Messlatte schlittert Lehnberg mühelos durch.

Der Autor:

Poträt
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Stefan Lehnberg ist Autor der täglichen Radiocomedy "Küss mich, Kanzler!", die seit 2008 ununterbrochen auf mehreren Sendern läuft. Er ist seit Jahren in der Berliner Comedyszene aktiv und hat Texte für Harald Schmidt, Anke Engelke, Titanic oder Satirikon geschrieben. Sein satirischer Roman "Mein Meisterwerk" wurde mit dem Ephraim-Kishon-Literaturpreis ausgezeichnet. Zu seinen weiteren Veröffentlichungen zählen "Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin" und "Durch Nacht und Wind - Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe".