Wolfgang Kaus tot
Wolfgang Kaus ist am Mittwochabend gestorben. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Er übersetzte Shakespeare oder Molière ins Hessische: Der Schauspieler und Theater-Regisseur Wolfgang Kaus ist tot. Er starb am Mittwoch an einer Lungenentzündung.

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Dinner for one uff Hessisch

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Am Tisch mit Wolfgang Kaus, "Volkstheatraliker"

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Sein Herz und seine Nieren machten ihm schon länger zu schaffen, am Mittwoch ist der Frankfurter Schauspieler und Regisseur Wolfgang Kaus gestorben, das gab die Familie bekannt. Kaus war 33 Jahre lang Chef des Frankfurter Volkstheaters, 22 Jahre zusammen mit der 1996 verstorbenen Volksschauspielerin Liesel Christ.

Dank an "kreatives Genie"

Hessens Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) würdigte Kaus in einer Mitteilung als "kreatives Genie". Es sei beachtlich, welch große Resonanz er auf seine Projekte bekommen habe: "Wolfgang Kaus hat uns durch seine humorvolle und warme, menschliche Art viel Freude gebracht. Für sein unverwechselbares kulturelles Wirken bin ich ihm dankbar, wir werden ihn in ehrender Erinnerung behalten."

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) schrieb in einer Mitteilung: "Die Stadt Frankfurt verdankt dem Schauspieler und Menschenfreund Wolfgang Kaus ungemein viel. Sein Theater verstand sich als ein versöhnendes, lokal verwurzeltes – aber selbstbewusst genug, die Weltliteratur auf Hessisch zu erden."

Weltliteratur ins Hessische übersetzt

Geboren und aufgewachsen war Kaus in Hofheim am Taunus. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann bewarb er sich an der Frankfurter Schauspielschule, wurde aber abgelehnt. Eine Bewerbung bei der Frankfurter Studentenbühne war erfolgreich, danach stand er auf verschiedenen Bühnen in Frankfurt, Memmingen, Celle oder Bonn. Zwischendurch hatte er erste Fernsehauftritte. Nachdem Liesel Christ 1971 ein "literarisches Volkstheater" gegründet hatte, arbeitete er dort mit ihr. 1976 wurde er künstlerischer Leiter.

Kaus übersetzte Weltliteratur ins Hessische und brachte so Shakespeare, Kleist, Brecht oder Molière dem hessischen Publikum nahe. Im Goethe-Jahr 1999 inszenierte er den "Götz von Berlichingen" und den "Urfaust" in Mundart. Seine letzte Produktion am Volkstheater war eine von ihm erstellte hessische Version von "Dinner for One" in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk.

"Jedermann" war Lebenstraum

Nach 2008 arbeitete Kaus als freier Regisseur, Bearbeiter, Schauspieler und Autor unter anderem mit Schauspielern wie Ralf Bauer oder Hans Zürn. 2010 erfüllte er sich mit der Inszenierung des hessischen "Jedermann" einen Lebenstraum. Er starb an einer Lungenentzündung, wie die berichtete. Am 23. Juli wäre Kaus, unter anderem Träger der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt, 83 Jahre alt geworden.