Friedenspreisträger Aleida und Jan Assmann
Aleida und Jan Assmann Bild © Corinna Assmann

Aleida und Jan Assmann erhalten den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das Forscherehepaar beschäftigt sich mit dem Erbe alter Hochkulturen und zieht daraus Lehren für aktuelle Debatten und ein friedliches Zusammenleben.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Friedenspreis für "Gedächtnisaktivisten"-Ehepaar Assmann

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Das deutsche Wissenschaftler-Ehepaar Aleida und Jan Assmann erhält den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das hat Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, am Dienstag zum Auftakt der Berliner Buchtage bekanntgegeben.

Forschung zum friedlichen Zusammenleben

Die 71-jährige Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann greift mit ihren wissenschaftlich fundierten Studien engagiert die immer wieder neu virulenten Themen von Geschichtsvergessenheit und Erinnerungskultur auf, heißt es in der Begrünung der Jury. "Angesichts einer wachsenden politischen Instrumentalisierung der jüngeren deutschen Geschichte leistet sie in hohem Maße Aufklärung zu Fragen eines kulturellen Gedächtnisses einer Nation. Ihr Werk weist darauf hin, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist."

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte plädiert Aleida Assmann in ihrem jüngsten Buch "Menschenrechte und Menschenpflichten" (2017) für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Darin müssten die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein.

Gewaltpotenzial und Religion

Ihr Ehemann, der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann (79), habe durch sein umfangreiches wissenschaftliches Werk internationale Debatten um Grundfragen zu den kulturellen und religiösen Konflikten unserer Zeit angestoßen, führt die Jury aus. "Mit seinen Schriften zum Zusammenhang von Religion und Gewalt sowie zur Genese von Intoleranz und absolutem Wahrheitsanspruch leistet er einen unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der Friedensbereitschaft und Friedensfähigkeit der Religionen in der Weltgesellschaft von heute."

Jan Assmann ist vor allem mit seinen Thesen zum Monotheismus bekannt geworden, dessen Anfänge er in dem Auszug der Israeliten aus Ägypten sieht. In dem 2016 erschienenen Buch "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" schlägt Assmann einen Bogen zur aktuellen Diskussion und problematisiert das Gewaltpotenzial monotheistisch geprägter Gesellschaften.

Carolin Emcke, Friedenspreisträgerin von 2016, freute sich über die Entscheidung des Stiftungsrats für das Forscherehepaar.

Wunderbare Entscheidung. Ich gratuliere sehr herzlich

Mit 25.000 Euro Preisgeld verbunden

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Kulturauszeichnungen Deutschlands. Mit dem Preis ehrt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland.

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Die mit 25.000 Euro verbundene Auszeichnung geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben.

Der Preis wird traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Oktober in der Paulskirche verliehen. Die Verleihung findet am Sonntag, 14. Oktober, statt. Im vergangenen Jahr erhielt die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood den Friedenspreis.

Die Preisträger werden von einem Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit gewählt. Vorschläge dazu kann jeder einreichen. Der Rat setzt sich aus Mitgliedern des Börsenvereins sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft zusammen.