Die neue Altstadt liegt vor der Bankenskyline und der Paulskirche im Herzen von Frankfurt.
Die neue Altstadt liegt vor der Bankenskyline und der Paulskirche im Herzen von Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Noch erledigen Handwerker letzte Arbeiten: Endspurt in der neuen Frankfurter Altstadt. Am Mittwoch fallen die Absperrungen. Die Stadtoberen sind mächtig stolz. Doch es gibt auch Kritik an dem 200-Millionen-Euro-Projekt.

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Blick in die renovierte Frankfurter Altstadt

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bauzäune der neuen Frankfurter Altstadt fallen

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Jetzt heißt es noch mal Hand anlegen: Arbeiter bringen eine goldene Waage im gleichnamigen ehemaligen Handelshaus an - einem der Highlights der neuen Frankfurter Altstadt. Für Schmiedemeister Albrecht Morgenstern wird es eine der letzten Arbeiten hier sein. Arbeiten, die ganz und gar nicht alltäglich für ihn waren. "Das war schon etwas Besonderes, umfangreich, vielseitig und sehr spannend", schwärmt er.

Insgesamt 35 neue Häuser

Mehr als sechs Jahre nach der Grundsteinlegung für den Teil-Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt fallen am Mittwoch die Absperrungen. Auf einer Fläche von nur sieben Hektar hat Frankfurt rund um den Krönungsweg insgesamt 15 Häuser rekonstruiert. Weitere 20 wurden in historischer Anmutung errichtet. Von den Nachbauten sind allerdings nur zwei, das berühmte Renaissance-Gebäude "Goldene Waage" und das "Rote Haus", original rekonstruiert.

Die ursprüngliche Frankfurter Altstadt, die zu den größten Fachwerkvierteln in Deutschland gehörte, wurde im März 1944 im Bombenhagel der Alliierten völlig zerstört. 1974 wurde auf dem Areal das Technische Rathaus - ein Klotz aus Sichtbeton - errichtet. Dieser wurde 2010 abgerissen.

Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der federführenden Römer GmbH, freut sich besonders auf den rekonstruierten Hühnermarkt: "Der ist als Ensemble so gelungen, dass man ein Freudegefühl bekommt, wie schön diese Häuser zusammenpassen", sagt er.

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Ein Stadtteil mit 160 Bewohnern

Cafés, Geschäfte und Museen sollen die neue Altstadt zu einem neuen lebendigen Stadtteil machen. Leben werden hier aber nur rund 160 Menschen. Sie wohnen in den etwa 70 Wohnungen, die zu Spitzenpreisen von bis zu 7.000 Euro pro Quadratmeter verkauft wurden. Der Bezug soll Ende Mai beginnen. Ende Juni werden die etwa 20 Läden bezogen. Offiziell eröffnet wird die Altstadt dann Ende September.

Gekostet hat das Projekt nach Schätzungen rund 200 Millionen Euro. Etwa die Hälfte soll durch den Verkauf der Wohnungen wieder reingekommen sein. Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) - anfangs durchaus ein Skeptiker des Projekts - ist inzwischen ein richtiger Fan der neuen Altstadt. "Was wir da investieren, bekommen wir doppelt und dreifach wieder rein", sagt er.

Das städtische Touristenamt vermarktet die Altstadt bereits im großen Stil auf den ausländischen Märkten. Vor allem in Fernost ist Frankfurt dank des Flughafens zum wichtigen touristischen Anlaufpunkt in Europa geworden. Ständig werden neue Übernachtungsrekorde gemeldet. Gerade in China erwarten die Tourismus-Verantwortlichen nochmals einen großen Schub - dank des Nachbaus im Herzen der Stadt.

"Bau auf einer Tiefgarage, der so tut, als wäre er eine Stadt"

Doch es gibt auch Kritik - etwa im Stadtparlament. "Für dieses Frankfurter Disneyland hätte man sehr viele vernünftige Sachen machen können", sagt Linken-Fraktionsgeschäftsführer Stefan Klee. Und auch Architekturkritiker haben ihre Vorbehalte. "Wir haben einen Bau auf einer Tiefgarage, der so tut, als wäre er eine Stadt", urteilt Christian Holl, der Geschäftsführer des Bundes Deutscher Architekten (BDA) in Hessen ist.

Der Stuttgarter Architekturprofessor Stephan Trüby warf jüngst in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Frankfurt sogar vor, mit dem "Heile-Welt-Gebaue" einem bekannten Rechtsradikalen auf den Leim gegangen zu sein. Dieser habe mit der Gründung des Vereins "Pro Altstadt" großen Anteil an der Umsetzung des Projekts gehabt.

Dom-Römer-Chef Guntersdorf hält dies für "dämlich". Bei dem Vorhaben gehe es um eine "Stadtreparatur", die dem großen Wunsch der Bevölkerung entspreche. "Es geht darum, ein Stück Frankfurter Geschichte wieder erlebbar machen."

Eckdaten: Der Weg zur neuen Frankfurter Altstadt

  • 1944: Die Altstadt wird im Bombenhagel der Alliierten zerstört
  • 1974: Das Technische Rathaus wird zwischen Dom und Römer fertiggestellt
  • 1985: Auf dem Römerberg wird unter Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU) die Ostzeile mit fünf Fachwerk-Häusern errichtet
  • 2005: Das Frankfurter Büro Engel+Zimmermann gewinnt einen Architektenwettbewerb zur Neubebauung des Areals zwischen Dom und Römer nach dem geplanten Abriss des Technischen Rathauses; der Entwurf sieht keine Rekonstruktionen vor
  • 2007: Frankfurts Stadtparlament beschließt mit den Stimmen der damals regierenden Koalition aus CDU und Grünen sowie der FDP und den Freien Wählern den Wiederaufbau des Dom-Römer-Areals mit Rekonstruktionen
  • 2010-2012: Das Technische Rathaus wird abgerissen
  • Januar 2012: Der Grundstein für den Bau der neuen Altstadt wird gelegt

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