Der Brexit löst einen Run auf internationale Schulen in und um Frankfurt aus. Banken reservieren vorsorglich Dutzende der begehrten Plätze. Verdrängt werde durch die Zuwanderer aus London aber niemand, versichern die Schulen.

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Metropolitan School Frankfurt

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So viele Anrufe wie in den vergangenen Monaten hat es selten gegeben bei der Metropolitan School Frankfurt. Am Telefon hatten Schulleiter Peter Ferres und seine Kollegen oft Bankmitarbeiter aus London. "Die buchen ganze Kontingente von Schulplätzen, die sie nutzen, wenn sie Mitarbeiter samt Kindern hierherschicken", berichtet Ferres. Solche Anfragen habe es in den Jahren zuvor nicht gegeben.

Die Namen der Banken darf der Leiter der Schule im Stadtteil Rödelheim nicht verraten. Auch nicht, wie viele Schulplätze sie jeweils reserviert haben. Aber grundsätzlich kann Ferres feststellen: "Durch den Brexit ist die Nachfrage enorm gewachsen." Bis zum Sommer sollen an der Schule zehn Prozent mehr Schüler unterrichtet werden – insgesamt rund 600. Über den Run auf die Frankfurter Privatschulen berichtete zuerst die .

Sorgt der Brexit für Engpässe?

Einen ähnlich großen Andrang erleben vergleichbare Schulen in Dreieich (Strothoff International School) und Oberursel (Frankfurt International School). Es sind vor allem private Einrichtungen, die international anerkannte Schulabschlüsse anbieten, Englisch als Unterrichtssprache, zum Teil auch intensive Einzelbetreuung. Diesen Service lassen sich die Schulen entsprechend bezahlen. Je nach Einrichtung kann das Schulgeld bis zu knapp 20.000 Euro pro Jahr betragen. Selbst die Plätze an internationalen Kindergärten sind oft mehr als bisher gefragt.

Dabei sind Schul- und Kindergartenplätze hierzulande sowieso schon begehrt und zum Teil rar. Dass sie durch einen möglichen Zustrom aus Großbritannien noch knapper werden könnten, solche Sorgen hat etwa Klaus Dautzenberg nicht, dessen Sohn auf die Metropolitan School geht: "Wir sollten abwarten, wie viele Kinder von Bankern tatsächlich hierher kommen, ob es wirklich so schlimm wird wie befürchtet." 

Bei Bedarf wird ausgebaut

Derzeit gebe es genügend Plätze auch für Zuzügler, ist von der internationalen Gesellschaft für Standortmarketing Frankfurt-Rhein-Main zu hören, das hätten alle internationalen Schulen in der Region zurückgemeldet. Bei Bedarf könnten einige sogar noch anbauen. Den Frankfurter Vater Karsten H., der seine Kinder selbst auf eine der gefragten Privatschulen schickt, beruhigt das nicht ganz: "Wenn Banken Plätze reservieren, haben andere Familien und ihre Kinder geringere Chancen."

Verdrängt werden solle aber keiner, beteuert die Schulleitung der Metropolitan School. Selbst wenn in einer Schulklasse ein, zwei Plätze reserviert würden, könne man bei regulär kleinen Klassengrößen mit knapp 20 Schülern immer noch weitere aufnehmen. Außerdem gälten für alle die gleichen Regeln. Das bedeutet: In vielen Einrichtungen müssen Kinder Aufnahmeprüfungen bestehen - Reservierung hin oder her.

Banken lassen sich Reservierungen viel kosten

Egal ob die Banken die reservierten Schulplätze nutzen oder nicht, sie müssen dafür bezahlen. Zumindest eine Gebühr verlangt die Strothoff International School in Dreieich (Kreis Offenbach). Denn, so erklärt die Verwaltungsdirektorin Bettina Otto: "Wir halten diese Plätze wirklich frei und vergeben sie nicht an andere." Diese Gebühr in Dreieich liegt demnach unter dem . Andere Einrichtungen verlangen das komplette Schulgeld.

Die Banken lassen sich davon nicht abschrecken: Man sichere sich deutlich mehr Schul- und Kindergartenplätze als sonst, heißt es zum Beispiel bei der Deutschen Bank, die wegen des Brexit tausende Mitarbeiter aus London abziehen will. Auch die US-Bank Goldman Sachs trifft nach eigenen Aussagen Vorbereitungen. Sie soll sich in Frankfurt rund 80 Schulplätze geschnappt haben.