Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft
War im Oktober von einem Uni-Vortrag ausgeladen worden: Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (hier ein Archivbild eines anderen Vortrags) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Drei Monate nach der Ausladung des umstrittenen Polizei-Gewerkschafters Rainer Wendt hat die Frankfurter Uni über den Fall diskutiert: Uni-Präsidentin Wolff machte klar, dass sie seine erneute Einladung ermöglichen würde. Ein Erfolg für Wendt war die Debatte trotzdem nicht.

Die Universität vertrage "ganz, ganz viel" Meinungsfreiheit, sagte Frankfurts Uni-Präsidentin Birgitta Wolff am Freitagabend bei einer Diskussionsrunde. Thema war der nach Protesten abgesagte Auftritt des Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, im Oktober. Auf die Frage, ob sie einen neuen Wendt-Vortrag ermöglichen würde, antwortete sie mit "Ja".

Habe ein Wissenschaftler ein fachliches Interesse an so einem Gast, sei es ihre Aufgabe, dass die Universität dies ermögliche, erklärte Wolff. "Wir sind ein Ort des wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurses." Sie hatte damals erst im Nachhinein erfahren, dass Ethnologie-Professorin und Islam-Expertin Susanne Schröter Wendt nach Protesten wieder ausgeladen hatte.

Debatte über Meinungsfreiheit

Unter anderem hatten 60 Uni-Angehörige in einem offenen Brief die Absage des Vortrags gefordert und dem Polizei-Gewerkschafter Rechtspopulismus, Rassismus und Ressentiments gegen Migranten vorgeworfen. Darauf war eine Debatte über die Meinungsfreiheit auf dem Campus entbrannt.

Einer der Autoren des offenen Briefs, der Jurist Maximilian Pichl, sagte, es gehöre auch zur Meinungsfreiheit, die Ausladung Wendts zu fordern. Er verwies auf das Leitbild der Universität, das sich gegen Rassismus wendet.

Die Kritiker der Einladung erinnerten an Wendt-Aussagen wie über die "Machokultur der Muslime", die "fast zu den genetischen Grundbausteinen dieser Kultur" gehöre. Wendt hatte dies zurückgenommen, dann aber von traditionell archaischem Verhalten gesprochen. In einem Buch schrieb er: "Ich kann jeden verstehen, der sagt, dies ist überhaupt kein Rechtsstaat mehr." Auch dies hatte Wendt den Vorwurf des Rechtspopulismus eingebracht.

Die erst ein- und dann ausladende Professorin Schröter erklärte in der Diskussion dagegen: Durch Etiketten wie Islamfeind, Rassist oder Sexist drohe eine künstliche Verengung auf eine politisch korrekte Meinung. "Wir schaffen ein Klima der Angst", sagte Schröter. Sie habe einen Auftritt Wendts am Ende für unkalkulierbar gehalten. Sie selbst halte Wendt nicht für einen Rassisten und habe sich von ihm Einblicke in den Polizeialltag erhofft.

Inhaltliche Kritik an Wendt

Mit diesem inhaltlichen Blick auf Wendt blieb sie allerdings auf dem Podium allein: Wolff ließ durchblicken, dass sie selbst Wendt nicht eingeladen hätte, aber es eben ihre Aufgabe als Präsidentin sei, Kollegen dies zu ermöglichen.

Noch klarer äußerte sich der Leiter von Schröters Forschungsbereich, Philosophie-Professor Rainer Forst: "Ich verteidige nicht die Einladung von Herrn Wendt, ich verteidige die Freiheit von Frau Schröter, ihn einzuladen."

Forst erklärte, inhaltlich sehe er die Positionen Wendts ähnlich wie die Autoren des offenen Briefes. Wendt stelle die Polizeipraxis in ideologischer Weise dar. "Bestimmte Themen kratzen schon an der Toleranzschwelle", sagte er. Die richtige Antwort sei aber Widerspruch, nicht eine Kultur des Ausladens, die Wendt in der öffentlichen Debatte zum Märtyrer mache.

Wo Populisten entlarven?

Der Humangeografie-Professor Bernd Belina erklärte dagegen als Gegner der Einladung, Populisten müssten außerhalb der Universität entlarvt werden. Nicht die Meinungsfreiheit des in den Medien präsenten Gewerkschafters sei in Gefahr gewesen, sondern der wissenschaftliche Diskurs an der Universität. Ein Auftritt an der Universität hätte Wendts populistischen Positionen "die Weihen des wissenschaftlichen Vortrags" verschafft, sagte Belina.