Kardinal Karl Lehmann bei einer Veranstaltung Mitte Dezember 2016
Kardinal Karl Lehmann bei einer Veranstaltung Mitte Dezember 2016 Bild © Imago

Karl Kardinal Lehmann ist tot. Als Bischof von Mainz war er über drei Jahrzehnte auch für weite Teile Hessens zuständig. Bischöfe und Politiker würdigten den früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz als Brückenbauer.

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32 Jahre war er Bischof von Mainz, 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Nun ist Karl Kardinal Lehmann, der Jahrzehnte das Gesicht seiner Kirche war, tot. Er starb nach Angaben des Bistums am frühen Sonntagmorgen gegen 4.45 Uhr im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Mainz.

Im Mai 2016 hatte der Papst den Rücktritt des damals 80-jährigen Lehmann als Bischof angenommen. Am 27. August 2017 wurde Peter Kohlgraf als sein Nachfolger geweiht. Es war Lehmanns letzter öffentlicher Auftritt.

"Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft", sagte Bischof Kohlgraf. Lehmann habe dank seiner Menschlichkeit und seinem Glaubenszeugnis über viele Jahre hinweg herausragend gewirkt. "Wir danken Gott für das Geschenk seines Lebens", sagte Kohlgraf.

Beisetzung am 21. März

Das Bistum Mainz gedachte Lehmanns an Sonntag mit einem halbstündigen Geläut der größten Domglocke. Zur gleichen Zeit läuteten auch in vielen der 303 Pfarreien in Rheinland-Pfalz und Hessen die Kirchenglocken.

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Die Beisetzung soll nach Angaben des Bistums am 21. März stattfinden. Das Requiem soll um 15 Uhr im Mainzer Dom beginnen, später werde Lehmann in der Bischofsgruft des Domes beigesetzt. Die Bevölkerung habe in den nächsten Tagen in der Kirche des Mainzer Priesterseminars Gelegenheit, von Lehmann Abschied zu nehmen. Dort werde der Verstorbene von Dienstag an ab 17 Uhr aufgebahrt.

Zwei Drittel des Bistums in Hessen

Im vergangenen September erlitt Lehmann einen Schlaganfall und eine Hirnblutung. War Lehmanns Zustand anfangs stabil, schwanden zuletzt seine Kräfte. Am Montag hatte das Bistum davon gesprochen, Lehmann selbst habe signalisiert, "dass er sich nun auf den Weg macht - das letzte Stück seiner irdischen Pilgerreise". Die Gläubigen sollten für den Sterbenden beten.

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Im Bistum Mainz leben rund 740.000 Katholiken, davon 540.000 im hessischen Teil. Ein Drittel des Bistums liegt in Rheinland-Pfalz, zwei Drittel sind in Hessen. Dazu zählen unter anderem Darmstadt, Offenbach, Gießen, Rüsselsheim und Alsfeld, aber auch die Bergstraße und die Wetterau. Lehmann blieb im Ruhestand in Mainz wohnen, wo er bis zuletzt gepflegt wurde.

Bodenständig und liberal

Dem früheren Theologie-Professor Lehmann war es während seiner Amtszeit seit 1983 in Mainz gelungen, seine Leidenschaft für die Wissenschaft mit einer äußerst bodenständigen Amtsführung zu verbinden. Er veröffentlichte mehr als 4.200 Texte. Als Assistent des Theologen Karl Rahner hatte der junge Lehmann noch selbst am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen.

Grafik Bistum Mainz
Das Bistum Mainz umfasst viele Pfarreien in Hessen und Rheinland-Pfalz mit insgesamt knapp 750.000 Katholiken. Bild © readitnow.info

Gerade in seiner Zeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz von 1987 bis 2008 festigte Lehmanns Ruf als liberaler Vordenker und besonnener Reformer, der sich für die Ökumene oder die Rechte wiederverheirateter geschiedener Katholiken einsetzte. Er focht in dieser Zeit manchen Kampf mit den Konservativen in Rom aus. So verteidigte Lehmann lange die Schwangerenkonfliktberatung durch die katholische Kirche in Deutschland. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2001 auffällig spät zum Kardinal.

Bischöfe und Vatikan würdigen Lehmann

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, teilte am Sonntagmorgen mit: "Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns." Lehmann habe die katholische Kirche weltweit geprägt, indem er stets der Frage nachgegangen sei, "wie eine menschenfreundliche und zugleich traditionsverpflichtete Kirche beschaffen sein sollte". Außer in theologischen Fragen habe Lehmann sich zeitlebens für Völkerverständigung und Brückenbau eingebracht.

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing würdigte den Verstorbenen als "ganz großen Brückenbauer": "Durch sein theologisches Arbeiten, seine Predigten und durch seine pastorale Art wollte er die Menschen als Gläubige mit der Kirche verbinden." Stets habe Lehmann nach Kontaktpunkten zwischen Kirche und Gesellschaft gesucht und sich für die Ökumene, also die Gemeinschaft von katholischer und evangelischer Kirche, eingesetzt.

Der L'Osservatore Romano, die Zeitung des Heiligen Stuhls, schickte über Twitter einen knappen, recht sachlichen, an biografischen Daten orientierten Nachruf in die Welt.

È morto a quasi 82 anni il cardinale tedesco Karl Lehmann. Nato nel 1936, è stato teologo, vescovo di Magonza (1983-2016) e presidente per un ventennio (1987-2008) della conferenza episcopale tedesca. Nel 2001 era stato creato cardinale da Giovanni Paolo II

Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) nahm Kirchenpräsident Volker Jung Abschied von "einem der prägendsten katholischen Theologen der Gegenwart, einem Impulsgeber der Ökumene und großartigen Menschen". Jung strich Lehmanns "den Menschen zugewandte Art und seine im Glauben begründete Herzlichkeit" hervor. Auch viele evangelische Christen seien betroffen vom Tod des früheren Mainzer Bischofs.

Bouffier: "Ich trauere aufrichtig"

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kondolierte: "Kardinal Lehmann wird dieser Welt als authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen." Er habe in seiner langen Amtszeit in Mainz eine Ära geprägt und viele Menschen dank seiner humorvollen und bodenständigen Art erreicht. Lehmann sei für die Kirche in Deutschland und Mainz "ein Glücksfall" gewesen. "Ich trauere aufrichtig um ihn", bekannte Bouffier.

Der designierte Kanzleramtsminister, Bundestagsabgeordneter Helge Braun (CDU) aus Gießen, drückte auf Twitter eine "Trauer um einen großen Brückenbauer zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft" aus.

Grüne: "Wir werden ihn vermissen"

Denselben Kanal wählte der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Er schrieb über den Verstorbenen: "Selten habe ich jemand erlebt, der wie er Orientierung gab und dabei zusammenführte." Jede Begegnung mit Kardinal Lehmann sei "eine große Bereicherung" gewesen. Ähnlich äußerte sich der CDU-Vorsitzende Michael Boddenberg: "Durch seine sanftmütige, aber auch zielorientierte Art hat er viel für das Miteinander der Religionen und den Zusammenhalt unserer Gesellschaften geleistet."

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Mathias Wagner, lobte Lehmanns Einsatz für den Menschen: "Bischof Lehmann hat viel bewegt, sei es für wiederverheiratete Geschiedene, für die Schwangerenkonfliktberatung, für mehr Einfluss von Frauen in der katholischen Kirche, für Toleranz gegenüber Homosexuellen, für einen guten Umgang mit Flüchtlingen. Wir werden ihn vermissen."

Für René Rock, den Fraktionsvorsitzenden der FDP im Landtag, zeichnete Lehmann sich durch sein Wirken in die Gesellschaft aus: "Für die FDP-Landtagsfraktion wird insbesondere seine Rolle als Vermittler zwischen den Religionen immer unvergessen bleiben." Auch seinetwegen habe Hessen als erstes Bundesland den islamischen Religionsunterricht eingeführt.


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34 Kommentare

  • Ein Mann der wahren Worte ist von uns gegangen und hat eine große Lücke hinterlassen.
    Möge er in Frieden ruhen..

  • Ein großer Mann der Kirche ist von uns gegangen. Ich bedauere sein Ableben zutiefst.
    Ich durfte ihn persönlich kennenlernen, was mir sehr viel bedeutet.

  • Danke für Ihr Mitgefühl, Danke für Ihre Streitbarkeit,Sie wären für mich immer ein Vorbild.Danke

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