Seit über 50 Jahren sind sie Fußball-Kult: Sammelalben der Firma Panini. Kurz vor dem Start der WM sorgt eine geplante kostenlose Verteilaktion an Marburger Schulen für Ärger.

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Panini-Bilder der deutschen Fußball-Nationalmannschaft

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schulamt stoppt Verteilaktion von Panini-Stickern

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Fußballsammelkarten gibt es inzwischen fast überall: Zum Einkauf dazu beim Discounter, für 90 Cent am Kiosk – und beinahe auch gratis auf Marburger Schulhöfen. Das wollte zumindest der Anbieter Panini erreichen.

Sieben Marburger Schulen haben unaufgefordert Pakete bekommen, berichtet Schulamtsleiter Arno Bernhardt: mit stapelweise Panini-Alben, Stickertüten und der Bitte, diese kostenlos an die Schüler weiterzugeben.

Kein pädagogischer Nutzen erkennbar

Hinter der Gratis-Offerte sieht Bernhardt aber kein pädagogisches, sondern ein rein kommerzielles Interesse. "Hierbei handelt es sich um Produktwerbung und das können wir nicht hinnehmen", betont er. Die Verteilung wurde verboten.

Zwar sei Sponsoring von Unternehmen in der Schule nicht generell tabu. Wenn zum Beispiel eine Krankenkasse eine Gesundheitsaktion unterstützt sei das okay – wenn der pädagogische Wert im Vordergrund steht. Wo der beim Stickertauschen liegen soll, könne er aber nicht erkennen, sagt der Schulamtsleiter.

Material für Erdkunde- und Sprachunterricht?

Panini sieht das anders. Der pädagogische Wert liege beispielsweise "in der Einbettung der Panini-Produkte im Geografie-Unterricht oder auch in Mathe oder in Deutsch oder einer Fremdsprache", erklärt Firmensprecherin Christine Fröhler.

Viele Schulen würden sogar direkt bei Panini nachfragen, um an Gratisprodukte zu kommen. Deshalb verschicke man diese auch nicht mehr selbst, sondern über einen  "Sponsoring-Pool", betrieben von einem Unternehmen mit Sitz in Recklinghausen. Das hat sich auf "Grundschul-Sponsoring" spezialisiert und vertreibt auch noch andere Firmenprodukte.

Wie kamen die Schulen in den Sponsoring-Pool?

Rätselhaft bleibt vorerst, wie die Marburger Schulen in diesen Pool gekommen sind. Das wisse das Schulamt nicht genau, erklärt Behörden-Jurist Alexander Tulatz und ergänzt: "Die Schulen, die Mitglied in so einem Pool sein sollen, haben wir darauf hingewiesen, dass sie da auch austreten können. Das haben sie meines Wissens nach auch gemacht."

Bemerkenswert sei aber auch, dass es sich nicht um einen Einzelfall handele. Schon bei den beiden vorangegangenen Fußball-Großveranstaltungen habe es den gleichen Effekt gegeben, sagt der Jurist. "Wir haben die Firma angeschrieben, sie sollen uns mit diesen Alben in Zukunft nicht mehr beglücken. Aber das ist offenbar nicht erfolgreich gewesen."

Ihre Kommentare Panini-Verteilverbot: Wie finden Sie die Entscheidung des Schulamts?

15 Kommentare

  • Die Entscheidung zum Verteilverbot ist völlig ok. Da es keine vollständigen Sticker-Alben sein dürften, sollen die Schüler/innen angeregt werden, von ihrem Taschengeld oder dem Geld ihrer Eltern weitere Sticker zu kaufen. Das ist der fiese Trick dahinter, dem kein Vorschub geleistet werden darf.

  • Natürlich ist es richtig Kommerz so weit wie möglich aus der Schule herauszuhalten. Andernfalls werden Untenehmen immer stärker die Bildung bestimmen. Das tun sie schon mehr als genug.

  • Auf der Strecke bleiben wieder die Kinder deren Eltern sich kein Leeres Paninialbum Leisten können.Ja es Kostet Leer nur 2,-- Euro glaube ich,aber für einige Eltern ist das viel Geld.Laßt den Kindern doch die Freude und gebt Ihnen diese Gratishefte.Ob die Kinder oder Eltern dann Panini Tüten kaufen ist doch garnicht so sicher.Denkt an die Kinder und deren Freude mit Leuchtenden Augen.Wie kann man nur so Gefühllos sein.

    Fonzi

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