Stundenplan mit Islam als Schulfach
Stundenplan mit Islam als Schulfach Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Mit dem neuen Schuljahr wird islamischer Religionsunterricht in Hessen erstmals auch an weiterführenden Schulen unterrichtet - ungeachtet der umstrittenen Rolle des Ditib-Verbandes, der mit dem Kultusministerium den Unterricht gestaltet.

Am Montag beginnt in Hessen das neue Schuljahr. Dann wird es erstmals auch in fünften Klassen islamischen Religionsunterricht geben, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag ankündigte. Der Unterricht wird vom Ministerium in Zusammenarbeit mit der Ahmadiyya-Gemeinde und dem türkischen Ditib-Verband gestaltet.

Über die Rolle des umstrittenen Ditib-Verbandes in Hessen hat das Ministerium mehrere Gutachten in Auftrag gegeben. Lorz hatte dies im Februar mit den "zweifellos besorgniserregenden politischen Entwicklungen in der Türkei" begründet. Die Gutachten sollen noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Eine Gefahr für die Fortsetzung des islamischen Religionsunterrichtes sehe er aber nicht, sagte der Minister.

Unterricht nicht von türkischen Imanen

Lorz betonte, dass der islamische Religionsunterricht in Hessen nur von hier ausgebildeten Lehrkräften des Kultusministeriums erteilt werde und nicht etwa von türkischen Imamen. Zudem gebe aus der schulischen Praxis in ganz Hessen bislang keine einzige Beanstandung im Hinblick auf Unterrichtsinhalte oder Lehrkräfte.

Allerdings hatte die Lehrer-Gewerkschaft GEW im März erklärt, es gebe "besorgniserregende" Berichte, Lehrer seien von Eltern und örtlichen Moscheevereinen unter Druck gesetzt worden, den aus der jeweiligen Sicht "richtigen Islam" zu vertreten.

Der Minister sagte weiter, er wolle dem Ergebnis der drei Gutachter - aus islam-, rechts- und politikwissenschaftlicher Sicht - über den Ditib-Verband nicht vorgreifen. Da die Lehrkräfte und Lehrpläne da seien, könne der Unterricht aber in jedem Fall weiter erteilt werden.

Angebot an 13 weiterführenden Schulen

Diese Lehrpläne gelten bis einschließlich der sechsten Jahrgangsstufe. Bisher war der islamische Religionsunterricht ausschließlich in Grundschulen bis zur vierten Klasse erteilt worden. Mit der fünften Klasse kommen jetzt zu den nunmehr 56 Grundschulen noch 13 weiterführende Schulen neu hinzu.

Der Ditib-Landesverband ist maßgeblich an der Organisation des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts beteiligt, den Hessen als erstes Bundesland 2013 eingeführt hat. Er erstellt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium die Lehrpläne und erteilt die Erlaubnis für die in Hessen ausgebildeten Islamlehrer.

Insgesamt sind im neuen Schuljahr hessenweit 3.349 Schüler für islamischen Religionsunterricht angemeldet, darunter 144 Fünftklässler. Erteilt wird er von 87 eigens dafür ausgebildeten Lehrkräften. Die Gesamtzahl aller Schüler in Hessen liegt mit rund 771.000 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 10.8.2017, 19.30 Uhr


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