Hunde auf einer Wiese
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Vögel brüten, Rehkitze kommen zur Welt - und sie verdienen nach Meinung der Grünen von Dreieich bei Offenbach Schutz vor Hunden. Gegen die Forderung nach einer Anleinpflicht im Wald machten Hundehalter aber mobil - mit Erfolg.

Die Frage lautete: Müssen Hunde in Dreieich (Offenbach) im Frühling, wenn viele Vögel brüten und Rehe ihre Kitze aufziehen, an die Leine? So forderte es die Fraktion der Grünen in einem Antrag, der am Dienstagabend auf der Tagesordnung des Stadtparlaments stand. Hundebesitzer waren dagegen auf die Barrikaden gegangen und hatten eine Arbeitsgemeinschaft gegründet. Nun durften sie jubeln.

Kritiker sehen Freiheit eingeschränkt

Denn die Stadtverordnetenversammlung lehnte eine Anleinpflicht von Anfang Mai bis Mitte Juni mit der knappen Mehrheit von zwei Stimmen ab. Dafür gab es nach einstündiger Debatte von den vollbesetzten Besucherplätzen einigen Applaus. Er kam von der "Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Hundehaltung", die in einer vor der Sitzung bissig geführten öffentlichen Debatte gegen den Grünen-Vorschlag mobil gemacht hatte.

Die AG sprach von Diskriminierung der Hundehalter und davon, dass der Naturschutz, um den es im Antrag der Grünen ging, nur ein vorgeschobenes Argument sei. Tatsächlich sollten individuelle Freiheit von Bürgern und ihren Vierbeinern willkürlich eingeschränkt werden.

Sind Hunde für Wildtiere völlig ungefährlich?

"Sie konnten uns keine Zahlen sagen, was es für die Brut- und Setzzeit bringt", befand Elke Oberndorf, eine der beiden Sprecherinnen der AG. Eine solche Regelung müsse man in Frage stellen. Die AG ist überzeugt, dass frei laufende Hunde für Wildtiere keine echte Gefahr darstellen. "Ein jagender Hund erwischt überhaupt kein Reh. Er ist einfach ein Rudeljäger."

Grünen-Fraktionschef Roland Kreyscher hielt den Leinenzwang im Frühling für das richtige Signal. "Es geht um Kompromissfähigkeit und Rücksichtnahme in einer sensiblen Zeit." Dem wollte der CDU-Fraktionschef und Landtagsabgeordnete Hartmut Honka nicht widersprechen. Aber er glaubte nicht, dass eine strikte Vorschrift ans Ziel führt. "Wir werden die unvernünftigen Hundehalter nicht erreichen", sagte er vor der Sitzung.

Keine einheitliche Leinen-Linie

In Hessen gibt es keine generelle Pflicht, Hunde während der Brutzeit anzuleinen. "Aber Dutzende Gemeinden sind diesen Schritt längst gegangen“, sagte der Grünen-Fraktionschef. Es gibt allerdings auch viele Kommunen, die keine Vorschriften machen und sich lieber darauf verlassen, dass ihre Hundebesitzer wissen, was sie tun, wenn sie ihre Begleiter im Wald oder in der Feldflur von der Leine lassen.

Elke Oberndorf von der AG hält diese Form des Umgangs mit dem Thema für grundvernünftig. "Während der Brut- und Setzzeit wird dauernd in die Natur eingegriffen. Durch Landwirte mit Sondergenehmigungen oder durch Jäger – jetzt ist ja gerade Maibockjagd. Aber Hunde, die zu 90 Prozent sowieso an der Leine sind, sollen den Naturschutz gefährden. Das ist doch irrsinnig!"

Um doch zum Ziel zu kommen, hatten die Grünen ihren Antrag noch ergänzt. Sie kamen den erbosten Hundehaltern entgegen: Bis zum nächsten Frühjahr sollte der Dreieicher Magistrat Flächen ausweisen, auf denen sich Hunde ohne Leine austoben dürfen. Zur Mehrheit verhalf das der Leinenpflicht nicht.

Ihre Kommentare Was halten Sie von der umstrittenen Anleinpflicht für Hunde?

100 Kommentare

  • Ich halte die Anleinpflicht in der Brut-und Setzzeit für mehr als angebracht.
    Letzthin sind Hunde Tiere und auch der besterzogenste Hund kann Tieren
    hinterher jagen. Habe selbst Hunde und möchte es nicht auf einen Versuch
    ankommen. Denn der Hund kündigt es nicht vorher an, wann er los stürmt.
    Die zwei Monate werden auch die Offenbacher Hundehalter überstehen und
    sollten Vernunft beweisen.

  • Hallo, das ist leider typisch für sehr viele Hundehalter. Sie verkennen, dass Hunde nach ihrem Instinkt handeln. Ich habe Fälle erlebt, wo sich Hunde in Rüsselsheim auf ein Kind gestürzt haben, das mit dem Roller den Deich am Main hinunter fuhr. Außerdem war ich im Urlaub zugegen, als sich ein anharmlos erscheinender Hund auf ein Kind stürzen wollte, das gestolpert und zu Boden gefallen war. Aber wo Vernunft fehlt, fehlt auch die Einsicht, dass Hunde für andere lästig und für Jungtiere tödlich sein können.

  • Es geht ja nicht nur um die Störung der Wildtiere, es geht auch um die Störung, belästigung und Gefährdung von Mitmenschen.
    Außerhalb extra ausgewiesener und eingezäunter Areale müssen Hunde zwingend an der Leine geführt werden und einen Maulkorb tragen!
    Es darf schließlich auch keiner so einfach mit einer Waffe draußen rumrennen.

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