Zweitsprachen an Hessens Schulen 2017/18: Latein 33679, Spanisch 42113, Französisch 83312, Italienisch 2305
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Für einige Studiengänge an Universitäten sind fundierte Lateinkenntnisse weiterhin Pflicht. Dabei lernen immer weniger Schüler die Sprache der Römer. Der Trend geht in eine andere Richtung.

Wenn in diesen Tagen die Schule wieder beginnt, haben die Schüler und Schülerinnen an hessischen Schulen ihre Zweit- oder Drittsprache schon gewählt. Neben den Sprachen, die heute noch gesprochen werden, nimmt Latein eine Sonderstellung ein.

Die "tote" Sprache gilt als Grundlage romanischer Sprachen und zählt zur Allgemeinbildung. Für Lucius Senecio, Lateinlehrer am Berliner Ad Fontes Institut für Antike Sprache, hat Latein seinen Wert "in der höheren ästhetischen, ethischen und geistigen Bildung des Menschen". Latein schule das logische Denken und erleichtere das Erlernen moderner Fremdsprachen, findet er.

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Aktuelle Zahlen des Hessischen Kultusministeriums zeigen jedoch, dass immer weniger Schüler Latein als Zweit- oder Drittsprache wählen: 33.679 oder 4,4 Prozent beschäftigten sich im Schuljahr 2017/18 mit Cicero, Seneca und dem Redelehrer Quintilian. Das waren 36 Prozent weniger Schüler als noch vor zehn Jahren.

Auch Französisch im Abwärtstrend

Neben dem Lateinischen liegt auch Französisch im Abwärtstrend. 34 Prozent weniger Schüler als vor zehn Jahren erlernten 2017/18 diese Fremdsprache. Auch Italienisch kämpft mit Verlusten. Auf der Gewinnerseite steht Spanisch: Zwar hat es dem Französischen noch nicht den Rang abgelaufen, jedoch lernen heute 35 Prozent mehr Schüler in Hessen Spanisch als 2008/09. Eine weitere Zukunftsoption: Schon heute lernen etwa 250 hessische Schüler Chinesisch.

Der demographische Wandel allein kann den Rückgang nicht erklären: Besuchten im Schuljahr 2008/2009 noch 826.942 Schüler öffentliche Schulen in Hessen, sank die Zahl um etwa acht Prozent auf 761.991 im vergangenen Schuljahr.

Quo vadis Latein?

Im Unterschied zum Französischen hat der Lateinunterricht einen großen Vorteil. Kenntnisse der Sprache sind an Universitäten für Studiengänge wie Theologie, Geschichte, Archäologie oder Philosophie Voraussetzung - ohne Latein kein Abschluss. Für einige Studiengänge ist das Latinum Pflicht, für andere reichen Grundkenntnisse.

Wer sich in der Schule gegen Latein entschieden hat, kann die Sprache auch als Student noch an der Universität oder bei privaten Anbietern lernen. Daran scheitern allerdings viele. So belegen an der Marburger Philipps-Universität jedes Jahr 70 bis 100 Studierende den Anfängerkurs. Die Erfolgsquote lag über die letzten zehn Jahre hinweg bei durchschnittlich 43 Prozent.

Konkurrenz durch andere Fächer

Hartmut Loos vom Deutschen Altphilologenverband weist darauf hin, dass Sprachen derzeit ohnehin nicht im Fokus deutscher Schüler stehen. Die Konkurrenz aus Informatik, Naturwissenschaften und künstlerischen Fächern sei hoch. Lateinlehrer müssten einen "modernen, motivierenden und die Schüler ansprechenden Unterricht" halten. Wer das leiste, habe auch Erfolg.

Während die Zahl der Lateinschüler sinkt, steigt die Zahl der Lateinlehrer an Hessens Schulen - von 615 im Schuljahr 2008/2009 auf 772 im vergangenen Schuljahr. Das ergibt einen deutlich besseren Betreuungsschlüssel. Auch in anderen Fremdsprachenfächern bessert sich die Schüler-Lehrer-Relation. Im Spanischen hat sich die Zahl der Lehrer verdoppelt, Italienisch unterrichteten zuletzt 205 Lehrer - 46 mehr als vor zehn Jahren. Nur im Fach Französisch sind derzeit 129 Lehrer weniger beschäftigt.

Immer weniger Schüler pro Lehrer

In der Regel sind Lehrer in Hessen für zwei Fächer ausgebildet. Laut Kultusministerium kommt es aber auch vor, dass ein Lehrer an einer Schule eingestellt wird, obwohl in nur einem der beiden Fächer Bedarf besteht. Dadurch kann die Zahl der Lehrer in einem spezifischen Fach vergleichsweise stark steigen.

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Weitere Informationen

Die Zahlen stammen vom Hessischen Kultusministerium, Stand Juli 2018.

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Sendung: hr2, 08.8.2018, 7.15 Uhr