Demonstraion Flüchtlinge
Rund 70 Menschen gingen am Sonntag für den erschossenen Flüchtling auf die Straße - viele davon aus seiner Flüchtlingsunterkunft. Bild © osthessen-news.de

Flüchtlinge haben in Fulda gegen einen Polizeieinsatz demonstriert, bei dem am Freitag ein afghanischer Flüchtling erschossen wurde. Sie werfen der Polizei Unverhältnismäßigkeit vor. Auch der Ausländerbeirat ist auf ihrer Seite.

Etwa 70 Demonstranten, viele aus dem Flüchtlingsheim, gingen am Sonntag auf die Straße, sie schwenkten die afghanische Flagge und riefen "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Ein Unschuldiger wurde getötet", . Ein Mann hielt eine Rose und ein Bild des Verstorbenen hoch.

Der Mann - ein 19 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan - war am Freitag in Fulda von der Polizei erschossen worden. Zuvor soll er Polizeiangaben zufolge vor einer Bäckerei randaliert haben und einen Angestellten der Bäckerei und einen Lieferfahrer angegriffen und verletzt haben. Die eintreffenden Polizisten habe er dann mit Steinen und einem Schlagstock angegriffen. Kurz später schoss einer der Beamten und verletzte den 19-Jährigen tödlich. Der Mann lebte in einer Flüchtlingsunterkunft in der Nähe der Bäckerei.

Vorwürfe gegen Polizei vom Ausländerbeirat

Auch der Vorsitzende des Fuldaer Ausländerbeirats, Abdulkerim Demir, schloss sich dem Demonstrationszug an und erhob gegenüber Osthessen-News schwere Vorwürfe: "Wir heißen das Verhalten des jungen Mannes keineswegs für gut, doch war er nicht bewaffnet. Als er vor der Polizei weggerannt ist, wurde er erschossen. Dieses aggressive Verhalten der Polizei war gänzlich falsch", sagte er.

Wollte er nur Brötchen kaufen?

Nach Darstellung von Ausländerbeirat Demir hätten Zeugen berichtet, dass der Flüchtling nur ein Brötchen kaufen wollte und in Streit mit einer Verkäuferin geriet, weil der Laden noch nicht geöffnet hatte. Daraufhin habe er einen Stein gegen die Fensterscheibe geworfen. Bilder vom Tatort zeigen eine gesplitterte Ladenfront.

Laut Demir sei der junge Mann vor der Polizei geflüchtet und dabei erschossen worden - auch die Deutsche Presseagentur hatte am Freitag gemeldet, dass die Schüsse offenbar erst in 150 Metern Entfernung vom Tatort fielen.

Friedlicher Protest durch die Innenstadt

Die Demonstration am Sonntag zog durch die Fuldaer Innenstadt, laut Polizei verlief die Demonstration friedlich. Der Sprecher der Polizei Osthessen, Christian Stahl, sagte: "Natürlich haben wir Verständnis für die Trauer und Betroffenheit, die bei den Freunden, Landsleuten und Menschen, die sich mit dem Verstorbenen auf sonstige Weise verbunden fühlen, herrschen."

Kritik an dem Vorgehen seiner Kollegen wies er jedoch zurück, erst müsse ermittelt werden. Man halte es "für falsch, wenn einige Personen vorschnell und öffentlich ein Urteil über die Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen fällen", sagte er. Das LKA hat die Ermittlungen inzwischen übernommen. Ein üblicher Vorgang, wenn eine Polizeikugel einen Menschen tötet.

Die Polizei darf nur in bestimmten Fällen auf Menschen schießen. Ob es im Fuldaer Fall berechtigt war, wird Teil der Ermittlungen sein.

Im Jahr 2017 schoss die Polizei in Hessen laut LKA in fünf Fällen auf Menschen, dabei seien zwei Menschen ums Leben gekommen. In etwa 99 Prozent der Fälle richte sich der polizeiliche Schusswaffengebrauch in Hessen wie auch bundesweit jedoch gegen kranke, verletzte oder gefährliche Tiere. 2017 habe es in Hessen 1.243 derartige Fälle gegeben.

Sendung: hr-fernsehen, readitnow, 15.04.2018, 19.30 Uhr