Protest an der Grundschule Waldeck
Protest an der Grundschule Waldeck Bild © Initiative Pro Grundschule Waldeck

Zum neuen Schuljahr bleibt die Waldecker Grundschule geschlossen. Der Grund: zu wenige Schüler. Stimmt nicht, sagen die Eltern. Sie ziehen nun alle Register, um die Schule vielleicht doch noch zu retten.

"Rettet unsere Schule, bitte!" - mit Plakaten haben Grundschüler und deren Eltern bereits gegen das bevorstehende Aus ihrer Schule in Waldeck am Edersee demonstriert. Nun schlagen die Eltern eine härtere Gangart ein: Am Mittwoch reichten sie beim Verwaltungsgericht Kassel einen Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung ein. Eine Entscheidung soll laut Gericht bis spätestens Montag fallen.

Die Kinder sollen nach dem Konzept des Schulträgers künftig auf die Grundschule im rund zehn Kilometer entfernten Sachsenhausen gehen. Das ist die Hauptstelle der Schule. In Waldeck ist die Schülerzahl inzwischen zu gering: Zum Stichtag Mitte Juli hatte der Kreisausschuss nur noch 24 Schüler gezählt, zwei zu wenig für den Weiterbetrieb.

Dieses Schicksal trifft vor allem Schulen auf dem Land. In den vergangenen zehn Jahren wurden laut Kultusministerium in Hessen insgesamt 17 Grundschulen geschlossen, vorwiegend im ländlichen Raum. Ebenfalls 17 entstanden neu, die meisten davon in Städten.

Eltern rügen Verfahrensfehler

In Waldeck wollen die Eltern mit ihrem Antrag erreichen, dass die Schule "aufgrund von Verfahrensfehlern nach den Ferien weiter geöffnet bleibt", wie Richard Franz von der Initiative Pro Grundschule Waldeck readitnow.info sagte.

Der Kreisausschuss hatte die Schließung der Schule beschlossen, die Eltern halten aber den Kreistag, das Parlament des Kreises, für zuständig. Der Kreis Waldeck-Frankenberg sieht den Vorgang dagegen als rechtsmäßig an.

Die Eltern der Grundschüler ziehen alle Register, um die Schule zu erhalten.
Die Eltern der Grundschüler ziehen alle Register, um die Schule zu erhalten. Bild © Initiative Pro Grundschule Waldeck

Kinder am Montag vor geschlossener Schule?

Wenn am Montag wieder die Schule beginnt, wollen die Eltern den Druck noch einmal erhöhen. "Wir Waldecker Eltern werden unsere grundschulpflichtigen Kinder nach den Sommerferien in unsere Waldecker Grundschule bringen", kündigte Franz an. Ein entsprechendes Schreiben sei am Mittwoch an Schulleitung, Schulamt, Landkreis und Kultusministerium verschickt worden. Zuvor hatte die Initiative bereits gegen zwei Mitarbeiterinnen des Schulamts Fritzlar Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht.

Das Kultusministerium hat nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die Schließung der Schule. "Es war nicht unsere Entscheidung, sondern die des Schulträgers, die Außenstelle zu schließen", sagte Sprecher Philipp Bender readitnow.info. Die Beschulung erfolge nun in der Hauptstelle, "was schulorganisatorisch möglich, rechtlich nicht zu beanstanden und überdies pädagogisch sinnvoll ist." Die Grundschule Waldeck war 2013 mit dem Hauptstandort Sachsenhausen zu einer Verbundschule zusammengelegt worden.

Neue Schulen vor allem in Städten

Dass Verbundschulen eingerichtet werden, ist dabei nicht selten: Hessenweit sind es seit 2007 32. "Die 40 Außenstellen haben den Rechtsstatus als eigenständige Schule verloren", sagte Ministeriumssprecher Bender. Sprich: Sie gelten schulorganisatorisch als aufgehoben und werden als Standort nur so lange genutzt wie es nötig ist. Die Grundschule Waldeck gehört demnach zu jenen, die nun nicht mehr benötigt werden.

Streit um Schülerzahl

Waldeck-Frankenbergs Landrat Reinhard Kubat (SPD) sagte nach dem Schließungsbeschluss, der Standort Waldeck sei nicht mehr aufrecht zu erhalten, wenn die Schülerzahl unter 26 falle: "Es würde gegen den Schulentwicklungsplan verstoßen, wenn die Klassenstufen 1 bis 4 in einer einzigen Klasse zusammengefasst würden."

Auch diesem Punkt widerspricht die Elterninitiative. Nach ihrer Darstellung entschied der Kreisausschuss im Juli auf Basis falscher Zahlen. In Waldeck stünden 29 Kinder zur Beschulung an - inklusive zweier Gestattungsanträge für einen Schulwechsel, die wieder zurückgezogen wurden, sowie Anträgen, die Flüchtlingsfamilien für ihre Kinder gestellt hatten. Gemäß Schulentwicklungsplan sei die Mindestschülerzahl von 26 damit erreicht.

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