Kinder spielen in einem Kindergarten.
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Vor allem für Eltern mit Teilzeitarbeitsplätzen dürfte die kostenlose Kita-Betreuung bis zu sechs Stunden täglich ab August auch finanzielle Erleichterung bedeuten. Doch nach wie vor fallen die Kinderbetreuungskosten in Hessen ganz unterschiedlich aus.

Die Kinderbetreuung in Hessen wird von August an für sechs Stunden am Tag kostenfrei - in manchen Orten steigen die Kosten für Eltern dafür aber an anderer Stelle.

Ende April hatte der Landtag in Wiesbaden einem Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen zugestimmt. Vom 1. August an ist der Kita-Besuch für alle Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung an sechs Stunden pro Tag kostenlos. Bislang war nur das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung für fünf Stunden gebührenfrei. In Horten und Krippen ändern sich die Gebühren ebenfalls.

Die Kommunen erhalten künftig eine Pauschale vom Land in Höhe von 135,60 Euro pro Monat und Kind. Insgesamt will das Land pro Jahr 220 Millionen Euro in die kostenfreie Betreuung investieren und so die Kommunen für ihre Ausfälle entlasten. Wie unterschiedlich die Gebühren in Hessen letztendlich ausfallen, zeigt eine dpa-Umfrage unter elf hessischen Kommunen:

Darmstadt: flexibles Modell
Kassel: keine höheren Gebühren an anderer Stelle
Baunatal: schon lange kostenfrei
Wiesbaden: höhere Gebühren
Limburg: keine Erhöhung
Frankfurt: Ziel kostenlose Krippen
Offenbach: Gebührenänderungen für die ganz Kleinen
Hanau: Alles bleibt beim Alten
Wetzlar: keine Änderungen
Marburg: Gebührenfreiheit ab drei Jahren
Fulda: 60 Euro für Ganztagsplatz

Darmstadt setzt auf flexibles Modell

In Darmstadt hat der Magistrat am 18. April beschlossen, die Entgelte zum 1. August anzupassen. Er setzt dabei auf ein flexibles Modell, dass die Eltern ihren Bedürfnissen anpassen können. Der Kindergarten ist wie überall für bis zu 30 Stunden die Woche kostenfrei, bei einer Betreuung von bis zu 40 Stunden werden 45,20 Euro fällig. Kinder können an einzelnen Wochentagen auch bis zu zehn Stunden im Kindergarten betreut werden, ohne dass die Eltern zusätzliche Kosten haben, so lange die Gesamtstundenzeit von 30 Stunden in der Woche nicht überschritten wird. Der Hort für Schulkinder wird teurer. Er kostet statt 129 künftig 151,87 Euro und wird damit an die Kosten der Schulkindbetreuung an den Schulen angepasst.

Kassel schließt höhere Gebühren an anderer Stelle aus

Die Stadt Kassel will die Neuregelung umsetzen, ohne an anderer Stelle an der Gebührenschraube zu drehen. Das vom Land zur Verfügung gestellte Geld sei ausreichend, um die für sechs Stunden kostenlose Betreuung zu gewährleisten, sagte ein Sprecher der Stadt. Somit sei die Halb- und Dreivierteltagsbetreuung dann kostenfrei, bei der Ganztagsbetreuung reduziere sich die monatliche Gebühr für Eltern von 176 auf 40,40 Euro.

Baunatal-Kita schon lange kostenfrei

Im nordhessischen Baunatal ist der Kindergarten seit 2007 kostenfrei. "Wir sehen daher keinen Handlungsbedarf", sagt Bürgermeister Manfred Schaub (SPD). Für die Stadt könnte die Neuregelung positive Auswirkungen haben: Einen Teil des Gelds, das man für das kostenlose Angebot ausgebe, hoffe man durch die Pauschale des Landes zurückzubekommen. Diese sei allerdings nicht kostendeckend, sagt Schaub.

Wiesbaden hebt Gebühren an

Die Stadt Wiesbaden hebt die Gebühren im Zuge des neuen Landesgesetzes an. Ab August steigen die Kosten für einen Ganztagsplatz nach Angaben eines Sprechers von derzeit 160 Euro auf 215 Euro. Abzüglich der Pauschale des Landes in Höhe von 135,60 Euro kommen ab dem Sommer dann 79 Euro auf die Eltern für einen Kita-Ganztagsplatz in Hessens Landeshauptstadt zu.

Limburg-Kitas bleiben wie gehabt

In Limburg müssen die Eltern für die Kinderbetreuung nicht tiefer in die Tasche greifen. "Wir haben derzeit nichts vor", sagte ein Sprecher der Stadt.

Frankfurt bringt sich für kostenlose Krippen in Position

Auch in Frankfurt sollen die Kosten für Kinderbetreuung nicht steigen: "Wir haben nichts dergleichen vor", sagte eine Sprecherin des Bildungsdezernats. Ziel bleibe es vielmehr, auch die Krippenplätze in Frankfurt kostenlos zu machen. Derzeit komme das aber wegen der "angespannten Haushaltslage" nicht in Betracht. Die kostenlose Betreuung in den Krippen wollte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). In Frankfurt zahlen Eltern für Krippen im Monat 198 Euro für den ganzen Tag. Hinzu kämen noch die Essenskosten in Höhe von 30 bis 50 Euro.

Offenbach nimmt Kosten für die ganz Kleinen ins Visier

In Offenbach gibt es derzeit nach Angaben einer Sprecherin der Verwaltung Gespräche zwischen der Stadt und den freien Anbietern über Anpassungen der Gebühren für Kinder unter drei Jahren. Derzeit sei aber noch nichts entschieden. Es könne in alle Richtungen gehen, also auch nach unten, meinte sie.

Hanau plant keine Erhöhungen

In Hanau seien bei der Kinderbetreuung keinerlei Gebührenerhöhungen oder Aufpreise für die Nachmittagsbetreuung geplant, sagte eine Stadtsprecherin.

Wetzlar will vorerst nichts ändern

Die mittelhessische Stadt Wetzlar plant derzeit keine Gebührenerhöhungen für Krippen oder Kitas. Zuletzt seien die Gebühren im vergangenen August um etwa zehn Prozent angehoben worden, teilte ein Sprecher mit. Ein Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren kostet die Eltern derzeit pro Monat 154 Euro, bei einer ganztägigen Betreuung 214 Euro. Für den Besuch einer Kita werden in der Regel 132 Euro fällig, bei einer Betreuung von mehr als fünfeinhalb Stunden 176 Euro.

Marburg setzt auf Gebührenfreiheit ab drei Jahren

In Marburg sollen dreijährige und ältere Kinder ab dem 1. August eine Kita gebührenfrei besuchen können. Das gelte auch für die Ganztagsbetreuung, hatte die mittelhessische Uni-Stadt vergangene Woche angekündigt. Krippenplätze sollen um rund zehn Prozent günstiger werden und dann zwischen 125 und 142 Euro kosten. Den Plänen muss noch die Stadtverordnetenversammlung zustimmen.

Fulda will für ganztags 60 Euro monatlich

Die Stadt Fulda will Kita-Gebühren teilweise neu ordnen. Derzeit kostet ein Ganztagsplatz die Eltern 133 Euro im Monat. Die Vormittagsbetreuung kostet 100 Euro. In Zukunft will die Stadt für eine Ganztagsbetreuung 60 Euro pro Monat nehmen. Eltern, die ihr Kind, das drei Jahre und älter ist, nicht mehr als sechs Stunden in die Kindertagesstätte bringen, müssen nichts mehr zahlen. Bürgermeister Dag Wehner (CDU) sagte nach einem Bericht der "Fuldaer Zeitung", er rechne mit einer steigenden Nachfrage nach Ganztagsplätzen.