Kombo: Biene auf einer Blüte und Ausstellungsplakat
Biene beim Nektarsammeln, tote Bienen Maja und Willi auf dem Plakat zur Ausstellung "Ausgesummt". Bild © picture-alliance/dpa, Naturkundemuseum Kassel

Wo sind all die Fliegen hin? Pestizide und Monokultur in der Landwirtschaft setzen ihnen massiv zu. Die Ausstellung "Ausgesummt" im Kasseler Naturkundemuseum benennt einen weiteren Verantwortlichen für das Insektensterben.

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Forscher beobachten schon lange einen dramatischen Schwund bei der Menge und der Vielfalt der Insekten. Immer weniger Bienen summen durch den Garten, nach einer Überlandfahrt kleben immer weniger Fliegen auf der Windschutzscheibe. Das mag manchen im Alltag als angenehm erscheinen, zeugt aber nach Einschätzung des Leiters des Naturkundemuseums Kassel, Kai Füldner, von einer Entwicklung mit besorgniserregenden Auswirkungen für die Umwelt.

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"Ausgesummt - Das Insektensterben und seine Folgen"

15. Juni bis 14. Oktober

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Und so hat das Museum die Ausstellung "Ausgesummt" über das Insektensterben entworfen. Am Mittwoch wurde sie der Presse präsentiert, ab Freitag ist sie für alle Besucher geöffnet. "Wir wollen aufmerksam machen", sagte Museumsleiter Füldner zu readitnow.info.

Bauern und Verbraucher sind schuld

Das Naturkundemuseum sei der richtige Ort, um Dinge auf den Punkt zu bringen, ist Füldner überzeugt. Das könne als provokant empfunden werden, weil nicht jedem schmecke, was in der Ausstellung dargestellt werde.

Windschutzscheibe mit toten Insekten
An den zermatschten Tieren auf der Windschutzscheibe kann man es ablesen: Es gibt immer weniger Insekten Bild © Naturkundemuseum Kassel

Die Ausstellung weist die Schuld für das Insektensterben der industriellen Landwirtschaft, aber auch den Konsumenten in einer globalisierten Welt zu. Selbst als bienenfreundlich eingestufte Insektengifte seien Killer, findet Füldner. Getreidefelder glichen teilweise einer "ökologischen Wüste": "Wir benennen die Verantwortlichen: Das sind die Bauern und die Verbraucher." Alle, die sich nicht für ökologische Landwirtschaft oder ökologisch erzeugte Produkte entschieden, trügen eine Mitschuld.

Windschutzscheibe als Messlatte für den Insektenschwund

Das Naturkundemuseum Kassel zeigt Installationen wie etwa eine Windschutzscheibe, die die Menge der zermatschten Insekten heute und vor 20 Jahren vergleicht. Oder eine Nachrichtensendung für Insekten, die über Tod und Vergiftung berichtet.

Das große Thema der Ausstellung ist die Verarmung der Natur, "und zwar in der vergangenen wenigen Jahren", wie Füldner beobachtet hat. Beispiel Tagfalter: An einer großen Wand wird deutlich sichtbar, wie stark die Menge der Tiere seit dem Zweiten Weltkrieg geschrumpft ist. Von 110 Arten seien 40 bereits ausgestorben, 30 weitere stark bedroht. "Das sieht man hier auf einen Blick", so Füldner.

Auch die Stadt Kassel ist von dem Projekt des Museums begeistert. "Das ist ein wichtiges Thema, das so ein Ausrufezeichen verdient", sagte Kulturdezernentin Susanne Völker am Mittwoch.