Bildkombo: Arzt untersucht Patienten/ Gesundheitskarten verschiedener Krankenkassen
Zum Jahresende soll jeder Patient eine neue Gesundheitskarte haben. Bild © picture-alliance/dpa

Karte gesperrt, Arzt und Patient ratlos: Zwar gibt es in vielen Arztpraxen schon moderne neue Lesegeräte, aber viele Patienten haben noch alte Karten. Das passt nicht zusammen. Ob man selbst betroffen ist, kann man auch ohne Gerät erkennen.

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Sprechzimmer, Arzt im Hintergrund

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alte Gesundheitskarten nerven Patienten und Ärzte

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Hausarzt Alexander Bodtländer ist sauer. Erst vor ein paar Wochen haben er und seine Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis im Frankfurter Nordend neue Kartenlesegeräte angeschafft. Ab 2019 soll es für alle Patienten eine elektronische Gesundheitskarte nach dem neuen "E-Health-Gesetz" geben. Die Praxis wollte dafür startklar sein.

Doch damit fingen die Probleme an. "Wir stehen vor dem Problem, dass viele Krankenversichertenkarten nicht gelesen werden können, und das macht einen erheblichen Mehraufwand", sagt seine medizinische Fachangestellte Marilu Covelli. Sie  erlebt jeden Tag, wie Patienten mit einer alten Versichertenkarte in die Praxis kommen. Allein an einem Vormittag waren es fast 30.

Die neuen Geräte können die alten sogenannten G1-Karten nicht lesen - die Karte wird sofort gesperrt, der Ärger geht los. Die Patienten müssen dann bei ihrer Krankenkasse anrufen und darum bitten, eine Mitgliedsbestätigung an den Arzt zu faxen und dem Versicherten eine neue Versichertenkarte zuzuschicken.

Ärgerlich und zeitaufwändig

So ging es auch einer Patientin in Dieburg. Sie wollte von ihrem Arzt eine Überweisung zum Orthopäden. "Es war einfach total ärgerlich. Weil ich erstens mal ewig lange das Sprechzimmer blockiert habe und auch nicht wusste, wie wir das Ganze lösen sollen."

Der Arzt selbst sei auch ratlos gewesen und habe die Überweisung schließlich von Hand ausgefüllt. Einige Tage später musste die Patientin dann noch einmal in die Praxis, um die neue Karte, die ihr die Krankenversicherung zugeschickt hatte, abzugeben.

G1, G2 – habe ich schon eine neue Karte?

Nach hr-Recherchen sind diese Beispiele keine Einzelfälle. Eine Stichproben-Recherche in hessischen Arztpraxen hat ergeben, dass es oft ähnliche Probleme gibt, wenn die Praxen bereits mit neuer Technologie ausgestattet wurden, die Patienten aber die neuen Karten noch nicht haben.

Ob man eine neue oder noch eine alte Karte hat, erkennt man an dem Kürzel vorne auf der Karte. Es gibt alte G1 und neue G2 Karten. Und, um es kompliziert zu machen, G1 Karten, die noch funktionieren, aber optisch genauso aussehen wie die alten G1 Karten. Und die gelten auch nur noch bis Ende 2018.

Krankenkassen zu langsam oder Patienten zu doof?

Die Patientin aus Dieburg glaubt, die Krankenkassen kommen nicht hinterher, die neuen Karten zu verschicken. Die Krankenkassen dementieren das auf hr-Nachfrage entschieden. Der Krankenkassen-Spitzenverband GKV erklärt, alle Patienten seien längst mit neuen Karten ausgestattet worden. Das haben auch das Bundesgesundheitsministerium und der Verband der Ersatzkassen gegenüber dem hr bestätigt.

Der Verband der Ersatzkassen Hessen vermutet, dass viele Patienten schlicht vergessen, dass sie bereits eine Karte der neuen Generation zugeschickt bekommen haben. "Viele Versicherte haben die neue Karte bekommen, diese aber nicht ins Portemonnaie gesteckt und sind dann eben doch noch mit der alten Karte den Arztbesuch gemacht", vermutet ein Sprecher.

Der Frankfurter Hausarzt Bodtländer bezweifelt das. "Die Patienten berichten uns, sie haben keine andere Karte." Auch die Patientin aus Dieburg ist sich sicher, dass sie keine neue Karte erhalten hat.

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Der Weg zur elektronischen Gesundheitskarte

Anfang 2019 soll es losgehen mit dem Versichertenstammdatenmanagement, kurz VSDM. Bis Ende 2018 müssen also alle 10.600 Kassenärzte und Psychotherapeuten in Hessen aufrüsten, um an die neue Telematik-Infrastruktur nach dem neuen E-Health-Gesetz angeschlossen zu werden. Bundesweit sind das 150.000 Praxen. Bisher sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bundesweit erst 25.000, also etwa 17 Prozent startklar. Die wichtigsten Daten wie Name, Adresse und Versichertenstatus der Patienten sollen dann bei jedem Arztbesuch online aktualisiert werden. Das hat den Vorteil, dass z.B. jeder Umzug gleich registriert wird und der Patient nicht jedes Mal eine neue Karte anfordern muss.

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