Teilnehmer der "Demo der Vielfalt und Liebe" in der Frankfurter Innenstadt.
Mit Regenbogen-Fahnen, bunten Luftballons und Plakaten für "bunte Vielfalt": Demonstranten in der Frankfurter Innenstadt Bild © readitnow.info

Für "bunte Vielfalt" und gegen "braune Einfalt" haben in Frankfurt etwa 2.500 Menschen demonstriert. Sie protestierten gegen das ultrakonservative Bündnis "Demo für alle", das die Ehe für Homosexuelle ablehnt.

Zu einer "Demo der Vielfalt und Liebe" kamen am Samstag in Frankfurt nach Polizeiangaben rund 2.500 Menschen zusammen. Die Kundgebung richtete sich gegen das ultrakonservative Aktionsbündnis "Demo für alle" und ein zeitgleich in Kelsterbach (Groß-Gerau) stattfindendes Symposium, das sich gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle wendet.

Zu dessen Beginn am Vormittag waren schätzungsweise 200 der rund 550 angemeldeten Teilnehmer eingetroffen. Ungefähr 140 Gegendemonstranten versammelten sich nach Polizeiangaben in Kelsterbach, zeitweise gab es eine Sitzblockade, die wieder aufgelöst wurde.

Am Mittag vereinigte sich die Gruppe mit den Demonstranten an der Frankfurter Hauptwache. Dort waren laut Polizei zunächst 300 bis 500 Menschen für eine Kundgebung zusammengekommen. Als die Demo sich durch die Innenstadt in Bewegung setzte, seien es etwa 1.000 gewesen, am Kaisersack am Frankfurter Hauptbahnhof schließlich etwa 2.500 Teilnehmer, sagte eine Polizeisprecherin readitnow.info.

Gegen Sexismus und "braune Einfalt"

Auf der Demo in der Frankfurter Innenstadt mahnte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dass man sich nicht auf dem errungenen Erfolg der rechtlichen Gleichstellung der "Ehe für alle" ausruhen dürfe. Die Zivilgesellschaft müsse wachsam bleiben. Auf Plakaten standen Parolen wie "Gegen Sexismus und Rassismus - The day will come", "Love is Love" und "Bunte Vielfalt statt braune Einfalt".

Zu den Veranstaltern der Demonstration gehörten die Aidshilfe Frankfurt, der Lesben- und Schwulenverband Hessen und die Grünen Hessen. Daneben beteiligten sich Gruppen wie Queer Hanau, "Gemeinsam stark - WomansMarch Frankfurt" oder "Wir sind da - Schwule über 40".

Lesben- und Schwulenverband fordert Akzeptanz

Der Landesvorsitzende der Grünen und Integrations-Staatssekretär Kai Klose sagte, das Ziel sei eine freie, offene und vielfältige Gesellschaft. Die "Demo für alle" stelle diese Werte infrage und sei deshalb in Hessen nicht willkommen.

Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands, Matthias E. Janssen, forderte Akzeptanz, nicht Toleranz. Die Vorstellung einer völkisch-autoritären Gesellschaft gehöre auf den Mülleimer der Geschichte, sagte er. Der Geschäftsführer des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbands Frankfurt, Jürgen G. Richter, bekräftigte, dass man Fundamentalismus entgegentreten müsse.

"Demo für alle" wittert Verfassungsbruch

Auf dem Symposium "Öffnung der Ehe - Folgen für alle" in einem Konferenzzentrum in Kelsterbach geht es um Themen wie "Ehe für alle - stiller Verfassungswandel oder offener Verfassungsbruch?", "Diversity und Elternschaft - brauchen Kinder Vater und Mutter?" oder "Leihmutterschaft - Wie Menschenhandel wieder salonfähig gemacht wird".

Das Symposium fand hinter geschlossenen Türen statt. Die Veranstalter wenden sich nach eigenen Angaben "gegen die alles durchdringenden Umerziehungsversuche gut organisierter Lobbygruppen und Ideologen". "Demo für alle" ist nach eigenen Angaben ein Aktionsbündnis verschiedener Familienorganisationen, politischer Vereine, engagierter Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland. Koordiniert werden seine Aktivitäten von Hedwig Freifrau von Beverfoerde.

Sendung: hr-iNFO, 20.01.2018, 17.00 Uhr