Stahlbad Bad Schwalbach
Klingt heftig, tut aber gut: Im Stahlbad mitten in Bad Schwalbach kann man Moorbäder nehmen. Bild © Türk/hr

Grün, grüner, Bad Schwalbach. Das gilt erst recht zur diesjährigen Landesgartenschau. In der aufpolierten Kurstadt ist aber noch mehr als die Schönheit gepflegter Natur zu entdecken.

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Bad Schwalbach hat 11.000 Einwohner, ist die Kreisstadt von Rheingau-Taunus - und voller Gegensätze: Ein Ort der Beschaulichkeit, durch den die in Stoßzeiten doch arg krawallige B275 führt. In ein von steilen Hügeln umgebenes Tal gebettet, aber im Kurzentrum wunderbar wadenkrampffrei zu erkunden. Weitläufig vom riesigen Taunus-Wunderwald umgeben, aber mittendrin eine Stadt der überraschend kurzen Wege.

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Von den erwarteten 500.000 Besuchern der am Samstagvormittag eröffneten Landesgartenschau dürften viele den Ort vor allem wegen seines größten Arbeitgebers kennen: der Molkerei mit dem Schwälbchen auf der H-Milch-Packung. Wer sein Gastspiel nicht nur auf das Gelände des botanischen Festes beschränkt, kann viel weitere Schönheit entdecken: gewachsene und gebaute.

Das Original

Kurhaus Bad Schwalbach
Das Bad Schwalbacher Kurhaus Bild © Türk/hr

Ein mondäner, frisch sanierter und denkmalgeschützter Monumentalbau aus französischem Kalkstein, die Saaldecken mit reichlich Stuck verziert, die Wände mit Marmor versehen, das 1873 erbaute Zentrum der Stadt: Wem das Kurhaus und die Gastronomie im Erdgeschoss nicht reichen, den wird doch die Geschichte des Gebäudes tief bewegen: Eine Spielbank war hier mal drin, ein Kriegslazarett, der Sitz einer geheimen Militäreinheit. Und einst schaute die Gräfin von Hohenembs öfter vorbei.

Nur dass Schwalbach damals noch Langenschwalbach hieß und die Gräfin in Wirklichkeit nicht Hohenembs, wie sie es zur Tarnung in die Kurliste eintrug. Sondern Kaiserin Elisabeth von Österreich. Die "Sissi". Ein Jahr nach dem dritten und letzten Besuch 1897 im Taunusort erstach ein Anarchist die Kaiserin in Genf. Veranstaltungen im Kurhaus wurden abgesagt, die Flaggen wehten auf Halbmast.

Das Highlight

Kurpark Bad Schwalbach
Gärtner-Powernap im Kurpark: Während der Landesgartenschau wird dafür keine Zeit sein. Bild © picture-alliance/dpa

Blühende Landschaften: Im ohnehin übergrünen Staatsbad ist dieses Versprechen im Kurpark kunterbunt erfüllt - gerade während der Landesgartenschau. Dem Park ging es wie vielem in Bad Schwalbach: Der Glanz alter Tage war verblasst, der einstige Landschaftspark verwildert, bevor ihn 2014 auch noch ein Tornado arg zerrupfte.

Ein wenig half das Tabula-Rasa-Machen freilich den Landschaftsgärtnern dabei, auf historischer Basis eine modernen Anlage zu schaffen: mit hölzernen Brücken, dem Kurweiher samt Fontäne und Enten, dem Kneipp-Barfuß-Pfad. Während der Gartenschau wird es hier manchmal vielleicht stressig. Ein möglicher Fluchtpunkt liegt am Ende des Parks: der idyllische Waldsee.

Das schönste Gebäude

Der Alleesaal in Bad Schwalbach
Einst Hotel, heute Stadtbibliothek und nobler Ort für Trauungen: der Alleesaal Bild © Türk/hr

Kurhaus, Stahlbad, Villa Lilly - da fällt die Wahl schwer. Sagen wir, nach langem Hin und Her: der Alleesaal. Auch dieses 1820 errichtete Gebäude mit seinen nobel gestalteten Sälen liegt mitten im Kurzentrum. Es sah, weil es einst ein Hotel war, in Bad Schwalbachs großer Zeit einige internationale Prominenz. Neben Sissi logierte zum Beispiel auch ihre Amtskollegin Marie hier, die Zarin von Russland.

Heute kommen auch Normalverdiener leicht in das Gebäude, das 1997 restauriert wurde. Sie brauchen nur einen Leseausweis, denn hier befindet sich die Stadtbibliothek. Oder einen Heiratspartner. Das Standesamt bietet Paaren in dem prachtvollen Haus Trauungen an.

Der besondere Ort

Eine Frau entnimmt Heilwasser am Weinbrunnen in Bad Schwalbch
Gratis-Heilwasser am Weinbrunnen Bild © Stadt Bad Schwalbach

Ein Brunnen, aus dem zwar nicht Milch und Honig fließt. Aber Wein. Naja, fast. Man könnte es kurz glauben, wenn man das aus zwölf Ausläufen rinnende Gratis-Wässerchen im Pavillon der Wandelhalle am Kurpark erstmals am Gaumen spürt. Wegen des säuerlichen Geschmacks heißt der Brunnen auch Weinbrunnen.

Ihm verdankt Schwalbach den Titel Bad und seinen Weltruhm, seit ein Doktor mit dem griffigen Namen Jacobus Theodorus Tabernaemontanus 1581 das stark kohlensäurehaltige Heilwasser in einem Buch pries. In alle Welt verschickten die Schwalbacher es, und Bad Schwalbach wurde die Stadt der Brunnen: mit Brodelbrunnen, Lindenbrunnen, Stahlbrunnen und Schwalbenbrunnen - um nur einige zu nennen, denen man auf einem Spaziergang begegnet.

Insider-Tipp

Justinusfelsen Bad Schwalbach
Justinus was here: der Autogrammfelsen in einem Wald beim Stadtteil Adolfseck Bild © Türk

Es war einmal vor langer Zeit, da machten die Menschen noch keine Selfies von sich, wenn sie in der Fremde waren. Zum Beweis, dass er hier war, klopfte der Römer Januarius Justinus also vor vermutlich 1.800 Jahren seinen Namen in einen mächtigen Felsen. Ihn und das viel später rot eingefärbte Antik-Autogramm können wir noch heute , das im Stadtteil Lindschied liegt und etwa auf einem Pfad von Adolfseck zu erreichen ist.

Die einzigartige Inschrift stammt mit ziemlicher Gewissheit von einem Legionär. Denn ganz in der Nähe des Justinusfelsens stand damals ein Kastell. Und durch das heutige Waldgebiet verlief der Limes, der den Römern die Germanen vom Hals hielt. Ein Feigling war Grenzgänger Justinus nicht. Sein Autogrammfelsen stand auf der germanischen Seite.